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Foto:Screenshot / ah

„Scheich-Connection“ warb mit 28 Prozent Rendite

Gegen eine Freilassinger Finanzfirma ermittelt die Staatsanwaltschaft. Die Firma warb groß bei Fußball-Länderspielen und bei Fernsehsendungen mit Stefan Raab.

FREILASSING. „Dubai Capital“ - diesen wohlklingenden Namen hat die Firma Sole Invest aus Freilassing innerhalb kürzester Zeit einem Millionenpublikum bekannt gemacht: Als sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am 10. Oktober in Moskau gegen Russland für die WM qualifizierte, leuchtete der rote Bulle, das Markenzeichen von Dubai Capital, mit der Toprendite von 28 Prozent an der Bande. Dies berichtet der Finanz-Nachrichtendienst Goldman Morgenstern und Partners (GoMoPa).
Beim TV Total Stock Car Challenge am 9. Oktober in der Arena auf Schalke schickte die Freilassinger Firma ein eigenes Dubai-Capital-Team ins Rennen. Fahrer waren Super-RTL-Geisterjäger Ross Antony, RTL-Moderatorin Vera Int-Veen sowie Neun-Live-Moderator und Ex-Big-Brother-Haus-Bewohner Jürgen Milski. Auch beim Spiel Dortmund gegen Real Madrid zum 100-jährigen Vereinsjubiläum der Borussia warb die Firma.

Jetzt stellt sich heraus: Wohl alles ist im Sand der Wüste in Dubai versickert. Die Staatanwaltschaft München und auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ermitteln gegen die Firma. In Freilassing hat das Unternehmen nach den Informationen unserer Zeitung die Zelte bereits abgebrochen.

Die Presseprecherin der BaFin, Anja Engelland, bestätigte unserer Zeitung, dass Sole Invest bei BaFin für ihr Produkt weder einen Prospekt hinterlegt hat, noch ein von der Behörde beaufsichtigtes Finanzdienstleistungsunternehmen sei. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München konnte gegenüber den CHIEMSEE und RUPERTI NACHRICHTEN nur eine Strafanzeige bestätigen. „Wir prüfen diese Anzeige derzeit“, so der Sprecher am Montag. Ob und welcher Straftatbestand möglicherweise vorliegt, dazu konnte sich der Sprecher noch nicht äußern.

Ins Rollen gebracht hat die Justizermittlungen der Münchner Rechtsanwalt Thorsten Krause von der Kanzlei Rechtsanwälte Wilhelm Lachmair & Kollegen, die sich auf Anlegerschutz spezialisiert hat. Er beobachtet seit längerem dubiose Finanzaktivitäten rund um das Emirat. „Die ,Kleine Zeitung‘ aus Graz berichtete als erste über Ungereimtheiten. Nachdem plötzlich die Internetseite von Dubai Capital verschwunden war, bin ich stutzig geworden.“

Was der Anwalt bei weiteren Recherchen fand, machte ihn stutzig. „Mir fiel zunächst die Werbung der Sole Invest GmbH mit ihrem Projekt Dubai Capital auf. Der Einstieg von nur 999 Euro erschien mir dubios“, sagte Krause GoMoPa. Das Investment im Emirat war sehr ungenau beschrieben. Wer mit bis zu 500.000 Euro einstieg, dem winkte nicht nur eine Rendite von 28 Prozent pro Jahr, sondern auch ein VIP-Ticket für Stefan Raabs Stock-Car-Rennen.

„Ich habe schließlich am 30. Oktober Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft in Traunstein gestellt“, so Krause. Die Staatsanwaltschaft Traunstein überwies aufgrund der Komplexität des Falls die Angelegenheit zur Staatsanwaltschaft München II, Schwerpunkt Wirtschaftskriminalität.

Gleichzeitig informierte Krause die Sparkasse Berchtesgadener Land und die österreichische Oberbank, auf deren Konten die Anleger das Geld überweisen sollten, um eventuell noch Anlegergelder zu sichern.

GoMoPa ist der Firma, deren Geschäftsführer der ehemalige Weltcup-Radprofi Lukas R. (22) aus Oberösterreich ist, bereits seit Mai auf der Spur. „Einem Journalisten unseres Netzwerkes ist die Firma aufgefallen, weil er Fußballfan ist und Dubai Capital immer wieder eingeblendet wurde“, sagte Siegfried Siewert, der Pressesprecher von GoMoPa.

Axel Heise 24.11.2009

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