
Heute schon ein Lungenbrötchen gehabt? Nein? Seltsam. Wenn man sich das Palaver anhört, das die Politik derzeit produziert, dann scheint doch heutzutage der Mensch rauchend auf die Welt zu kommen. Zumindest jeder, der sich zum Gaststätten-Gast entwickelt. Den sich mit einem ordentlichen Nichtraucherschutz-Gesetz herumplagenden Politikern muss wohl eine Statistik vorliegen, die beweist, welch suspekte Spezies und vor allem wie unrentabel so ein Nichtraucher ist. Das leuchtet ja auch ein. Da muss man gar nicht erst einen Pfeife schmauchenden Soziologen bemühen. Weiß doch jedes Kind: wer nicht raucht, der kann bloß ein Stubenhocker sein!
So ein dröger Glimmstengelverweigerer hockt den ganzen Tag mit verkniffener Miene an seinem Schreibtisch, stempelt Steuererklärungen ab und stakst abends dann schnurstracks nach Hause, anstatt die nächste Kneipe anzusteuern, sich eine Stuyvesant anzustecken und sechzehn halbe Bier zu kippen - wie Wirt es gewöhnt ist von seinen Stammtischbrüdern. Die haben den Braten natürlich längst gerochen. «Wo samma denn?», schallt´s beim sonntäglichen Frühschoppen durch die Schenken. Es fragt sich so mancher Nikotin-Nuckler, ob er nicht selbst entscheiden darf, wenn er den Weg zur Lunge teeren möchte.
Und das Passivrauchen? Pff, wenn sie das schon hören, die Herren und Damen von der qualmenden Zunft, da könnten ihnen glatt die Finger gelb werden vor Wut. Zwingt doch keiner die Frischluft-Fanatiker, sich vor einen Aschenbecher zu hocken. Sollen sie halt daheim bleiben, diese Asthmatiker! Oder draußen essen. Ja, genau. Warum sollen eigentlich die Raucher vor die Tür? Was ist denn bitteschön biologischer? Eine Rolle Papier voller Tabak, oder mit Antibiotikum vollgepumptes Schweineschnitzel auf Gen-Reis? Eben. Also: Nichtraucher raus!
Wie gesagt, die tragen eh nichts bei zum Umsatz. Wären die Nichtraucher keine ausgemachten Geizkragen, dann könnten sie die lumpigen paar Euro für eine Schachtel Kippen ja auch auftreiben. Stattdessen horten sie jeden Cent, um sich die nächste Vorsorgeuntersuchung leisten zu können. Lächerlich. Woran sollen sie denn erkrankt sein? Lungenkrebs? Raucherbein? Arterienverkalkung? Wohl kaum.
Gottlob setzt sich die Zigarettenlobby ein für den Fortbestand einer ordentlichen Kneipenkultur. Durchblick war deren Profit schließlich noch nie zuträglich. Nach Abzug des Dunsts könnten die Kunden womöglich die Preise auf dem Zigarettenautomat lesen, und einige würden einen Erstickungsanfall erleiden. Nichtrauchen könnte in dem Fall tödlich sein. Verhinderte Raucher, ganze Wirtschaftszweige stehen vor dem Aussterben. Also her mit dem Raucherschutzgesetz, hustet
Georg Gifthaferl
gifthaferl@rosenheimer-nachrichten.de