
Unterwössen - Vor gut einem Jahr hat Die Zeit die «Generation Praktikum» ausgerufen. Die These der Wochenzeitung: «Früher sollten Praktikanten bloß Erfahrungen für ein künftiges Berufsleben sammeln. Heute werden sie als billige Arbeitskräfte eingesetzt.» Jungjournalist Stefan Rippler aus Unterwössen (siehe Porträt Seite 2) stieß die Nachwuchsausbeutung damals schon länger sauer auf. Kurz nach Erscheinen des Artikels sicherte er sich die Internetadresse generation-praktikum.de; auf der Seite gibt er Tipps rund um den Berufseinstieg. Den Chiemsee Nachrichten verriet der Student, wie der akademische Nachwuchs gar nicht erst in die Praktikumsmühle gerät.
«Für Praktika werden heute Voraussetzungen gestellt, die keinen Spaß mehr machen», findet Stefan Rippler (21). Ein abgeschlossenes Grundstudium sei für viele Firmen die Minimalanforderung an Praktikumsbewerber. «Am liebsten hätten die jemanden mit fünf Jahren Berufserfahrung.»
Praktikanten müssen heute viel mitbringen, haben im Gegenzug aber oft wenig zu erwarten. Längst ist es kein Geheimnis mehr, dass es Unternehmen gibt, die qualifizierte Praktikanten als Billigarbeitskräfte missbrauchen. «Ich kenne Lokalsender, die Redakteure durch Praktikanten ersetzen. Die müssen dann den ganzen Laden schmeißen und sehen dafür keinen Cent», sagt Stefan Rippler. Auf der Strecke bleibt letztlich der Praktikant, denn: «Dann steht nicht mehr der Lerneffekt im Vordergrund, sondern die Arbeit.»
Selbst in jungen Jahre sei es aber wenig sinnvoll, Praktika inflationär zu absolvieren. Als Richtschnur könne gelten: Drei Praktika mit einer jeweiligen Dauer von drei Monaten sind genug. «Die Praktika sollten aufeinander aufbauen, jedes mehr fordern als das vorherige», erklärt Stefan Rippler. Demnach dient die Praktikumspremiere zum ersten Hineinschnuppern in die Berufswelt, zur Orientierung. Mit dem zweiten Praktikum gilt es, (weitere) Erfahrungen zu sammeln. «Es soll einen vertieften Einblick in die Branche gewähren, in der man später tätig werden will», so Rippler. Das letzte Praktikum will der Unterwössener als eine Art Arbeitsprobe verstanden haben - «indem man zum Beispiel an einem bestimmten Projekt arbeitet».
Der Sinn von Praktika ist für Stefan Rippler unumstritten - trotz dem Schindluder, den einige Firmen treiben. «Jedes Praktikum kann ein Türöffner sein», ist sich der Student sicher.
Unternehmen, glaubt er, schneiden sich mit der Nachwuchsausbeute langfristig sowieso nur ins eigene Fleisch: «Wer nicht fair mit dem potentiellen Nachwuchs umgeht, dem fehlen bald qualifizierte und vor allem motivierte Arbeitskräfte.» Viele Betriebe hätten das bereits erkannt; sie bieten qualifizierte Praktika und eine reale Übernahmechancen.
Eine Reihe seriöser Unternehmen listet der «PraktikumsKnigge» auf, ein Ratgeber, erschienen im verlag clash jugendkommunikation mit Stefan Rippler als Mitherausgeber. Weitere Tipps finden Berufseinsteiger auf generation-praktikum.de; für die Internetseite hat der Student unter anderem Online-Workshops entwickelt.