
Rosenheim/Landkreis - Da der ORF ab 4. Juni seine Programme ausschließlich digital im DVB-T-Format ausstrahlen wird, droht den rund 70.000 Kabelkunden im Landkreis Rosenheim der Wegfall der beliebten österreichischen TV-Programme. Während die «komro», Rosenheims stadteigener Telekommunikationsanbieter, ihren Kabel-Kunden bereits vorab den weiteren ORF-Empfang zusichert, lässt es Marktführer «Kabel Deutschland» erstmal drauf ankommen.
Seit vergangener Woche weisen Einblendungen in den österreichischen Fernsehprogrammen darauf hin, dass ORF 1 und ORF 2 ab Anfang Juni analog abgeschaltet und folglich nur noch digital über DVB-T zu empfangen sein werden. Eine Ankündigung, die gerade in unserer Region zahlreiche Fernsehzuschauer verärgert hat. Die meisten schätzen die grenzübergreifende Programmbereicherung durch Spielfilme ohne Werbeunterbrechungen sowie Sportübertragungen, die in Deutschland teils nicht mehr im Free-TV ausgestrahlt werden.
Ob der ORF-Empfang im Landkreis Rosenheim künftig wie bisher möglich sein wird, ist offen. Auf Anfrage der Redaktion äußert man sich bei der Kabel Deutschland GmbH (KDG) vage. Natürlich sei man trotz der geänderten Empfangssituation um eine technische Lösung zur weiteren ORF-Einspeisung bemüht, könne aber derzeit nichts zusagen. Man verweist auf Eventualitäten: «Wir sind uns bewusst, wie wichtig für unsere Kunden im grenznahen bayerischen Raum die hochwertigen Programme des ORF sind. Deshalb möchten wir den aktuellen Status Quo der Kanalbelegung unbedingt beibehalten und werden dabei die nötigen technischen und finanziellen Anstrengungen unternehmen. Ausschlaggebend für die Umsetzung ist allerdings die Güte des vom ORF angelieferten Signals», so Dr. Harald Flemming, Leiter Content Free-TV bei Kabel Deutschland.
Die technische Qualität dieses Signals könne allerdings erst nach erfolgter Kanal- und Systemumstellung in Österreich endgültig beurteilt werden. Durch notwendige Empfangstests an den Kopfstationen des Rosenheimer Kabelnetzes wird der ORF-Empfang am 4. Juni für einige Zeit unterbrochen sein. Man wird laut KDG-Pressereferentin Gisela Bauer in dieser Zeit versuchen, das digitale Signal in ein analoges Signal umzuwandeln. «Ob dies klappt, können wir allerdings nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen», so Bauer. Für wenige Netzbereiche verbliebe das Restrisiko eines nicht verwertbaren Signals.
Dieser Ausfall scheint Kabel Deutschland nicht sonderlich zu erschüttern. Schließlich agiert man als größter deutscher Kabelnetzbetreiber bundesweit, versorgt rund 9,5 Millionen angeschlossene TV-Haushalte und erzielte im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro.
In bescheidenerer Größenordnung, aber mit deutlich regionalerer Ausrichtung wirtschaftet hingegen die komro GmbH in Rosenheim, die im Zuge der Privatisierung des Fernsehnetzes 1997 aus dem Stadtwerke-Verbund hervorging. Inzwischen hat man sich als Kabelnetz-Alleinanbieter in Rosenheim etabliert.
Die 23.000 Kabelanschluss-Nutzer im Verbreitungsgebiet der komro haben in Folge der österreichischen Umstellung keinerlei Änderungen zu fürchten. Man hat bereits einen «Plan B» in der Tasche: Sollte Kabel Deutschland als komro-Signallieferant künftig nicht in der Lage sein, die österreichischen Programme ins Netz einzuspeisen, will man in Rosenheim das eigene Netz und die eigene Infrastruktur nutzen. An den technischen Vorraussetzungen wurde in den vergangenen Wochen gefeilt. «Wir können daher bereits jetzt zusagen, dass nach einem Ausfall von circa vier Stunden in Rosenheim alles wie gewohnt funktionieren wird», erläutert Marketing- und Vertriebsleiterin Elke Maier und betont, dass die komro gerüstet sei, um unabhängig vom Marktführer zu verfahren.