Onlineausgabe der INNdependent Media GmbH

SERVICE | Archiv | Lokales-Hintergrund

Rosenheims Sorgenkind «Bahnhof» kommt ins Rollen

Politik und Wirtschaft wollen Arcaden-Projekt weiterhin verhindern


Rosenheim - Das brachliegende Bahnhofsgelände Nord ist ein Sorgenkind. Wie ein Damoklesschwert schwebt das Arcaden-Projekt der Essener Investmentfirma MfI über den Köpfen von Stadtrat und Wirtschaftsverbänden, wie sich am Mittwoch im «Gespräch mit der Wirtschaft» herausstellte, das die Stadt Rosenheim anberaumte.

Klar ist, dass in Anbetracht der Landesgartenschau 2010 Bewegung in die «Baustelle Bahnhof» kommen muss. Politiker und Wirtschaftsvertreter sind sich aber auch einig, dass der von MfI geplante Mega-Einkaufstempel zu Lasten des innerstädtischen Einzelhandels nicht in Frage kommt. Konkreter sehen die Maßnahmen den Bahnhof selbst betreffend aus, wie Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer jetzt erklärte. Zwar herrsche momentan Stillstand, aber zuerst würden jetzt die Unterführung von der Klepperstraße aus sowie die Anhebung der Gleise vorangetrieben. «Damit endlich mal ein ICE in Rosenheim halten kann», so Bauer. Erst danach könne im nördlichen Bereich weiter verändert werden.

Um zu verhindern, dass MfI die Pläne durchkreuzt, hat die Stadt eine Veränderungssperre erlassen. «Die läuft aber im Herbst aus», mahnt Beate Burkl von den Freien Wählern. Sie sieht dringenden Handlungsbedarf, habe MfI sich doch bereits weite Flächen des Gebiets gesichert.

Günther Antusch, der für städtebauliche Angelegenheiten zuständige Fachdezernent, wiegelt ab. MfI habe lediglich einen bedingten Kaufvertrag für einige Flächen. Man könne also beruhigt die bei der Stadtmarketing-Firma CIMA in Auftrag gegebene Studie abwarten, um sich dann danach zu richten. «Ohne die Stadt geht da gar nix», sagt er, weil der Eigentümer keine Baugenehmigung erhalten müsse. Bauer spricht sich vorallem für einen Busbahnhof und Radunterstände aus.

Bisher war stets auch die Unbeweglichkeit seitens der Bahn moniert worden. Doch scheint die nun zur Einsicht gekommen zu sein, wie Gabriele Leicht von der SPD bei einer Bahnhofsbegehung mit Verantwortlichen von der «Deutschen Bahn Station und Service» feststellen konnte. Denen gehört das Bahnhofsgebäude, während für das nördliche Grundstück die Deutsche Bahn Immobilien Ansprechpartner sei. Die SPD-Fraktion hatte die Sorge, dass nur mit Hilfe eines Investors gebaut werden könne und kein Weg an MfI vorbeiführe.

Für das Bahnhofsgebäude soll jedoch - unabhängig von MfI - ein Investor gesucht werden. Der soll bis zur Landesgartenschau den Bahnhof modernisieren, so der Plan von DB Station und Service. «Danach ist es schon leichter, zu sehen, wie man das Gelände integriert», erklärt Leicht. Neuigkeiten seitens der Stadt sind am Donnerstag im Stadtentwicklungs- und Baugenehmigungsausschuss zu erwarten.

Christian Topel 14.05.2006
Anzeige