Lesen Sie dazu auch
- 28.07.2010 Mountainbiken in Theorie und spannender Praxis
- 04.05.2010 Hauptschulen sollen sich „zusammenraufen”
- 09.03.2010 Von der Isetta zum Toast Hawaii
- 24.02.2010 Bildungs-Sternstunde
- 17.11.2009 Studieren in Traunstein
- 28.07.2009 Erfolg für Eltern-Aufstand
- 15.07.2009 Junge Heimat-Experten
- 18.06.2009 „Erhaltet dieses Haus”
SERVICE | Archiv | Lokales-Hintergrund
Stoibers Sparpolitik empört Schülereltern
Raubling/Rosenheim - Mit deutlichen Worten protestieren Elternbeiräte von Gymnasien in Rosenheim und der Region gegen die Sparpolitik Edmund Stoibers und der von ihm geführten bayerische Staatsregierung. Die handelt in ihren Augen «an den Bedürfnissen der Bevölkerung vorbei». Der Grund: Starker Lehrermangel und Unterrichtsausfall im achtstufigen Gymnasium «G8».
Seit Jahren, schreibt Hans Schussmann im Auftrag des Elternbeirats am Rosenheimer Finsterwalder-Gymnasium, seien die erheblichen Stundenausfälle im Sinne eines qualifizierten Unterrichts «unakzeptabel». Jetzt würden Intensivierungsstunden zu großen Gruppen zusammengefasst: «Dies ist weder Intensivierung noch entspricht es einem G-8-Profil.» Das G 8 als Gymnasium mit nur noch acht Jahrgangsstufen war im vorigen Jahr nach der Landtagswahl von der damaligen Kultusministerin Monika Hohlmeier im Schnellverfahren eingeführt worden. Und dies obwohl Ministerpräsident Stoiber im Wahlkampf noch versprochen hatte, am bewährten neunstufigen bayerischen Gymnasium festzuhalten.
«Staatsverdrossenheit und Politikschelte» sind für Schussmann die Folgen; seinem offenen Brief an Kultusminister Siegfried Schneider fügte er eine Unterschriftenliste bei. Für Almuth Aicher vom Elternbeirat des Rosenheimer Ignaz-Günther-Gymnasiums waren die Intensivierungsstunden «das Zuckerl», das die Eltern die «Kröte» der raschen Einführung des G 8 zum Schuljahr 2004/2005 leichter habe schlucken lassen. Dass sie wegen Lehrermangel zum Teil oder ganz entfallen, könne sie als Mutter, Klassenelternsprecherin und Elternbeirätin nicht akzeptieren. Ihre Forderung an den Kultusminister: «Sorgen Sie dafür, dass noch in diesem Schuljahr in ausreichendem Maß Mittel für die Unterrichtsversorgung mit Lehrkräften zur Verfügung gestellt werden und dass die Lehrerlaubnis für Lehrkräfte aus anderen Bundesländern oder europäischen Staaten gelockert wird.»
Monika Binder, die für die Schülereltern und den Elternbeirat am Gymnasium Raubling an den Kultusminister schreibt - und 210 Unterschriften beilegt - geht auf ein beschwichtigendes Schreiben aus dem Ministerium ein. Das hat der Raublinger Elternbeirat auf seine im September gestellte Anfrage zur drohenden Lehrerknappheit bekommen. Darin argumentiert ein Ministerialrat mit dem Zwang zum Sparen und der Notwendigkeit, dass alle Generationen die Lasten gemeinsam tragen müssten.
Binder schreibt: «Nahezu zynisch erscheint uns, dass mit der Generationengerechtigkeit argumentiert wird. (...) Unsere Kinder sollen quasi die Suppe auslöffeln, die ihnen Generationen vorher eingebrockt haben.» Der Ehrgeiz des bayerischen Ministerpräsidenten, 2006 einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen, solle nicht zu Lasten der Kinder gehen. Ab der 10. Klasse gebe es für ausfallende Lehrer keine Vertretung mehr - und immer mehr Lehrer erkrankten an Stressleiden wie Hörsturz und Tinnitus.
