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Als speie der Vulkan gleich neben dem Wendelstein, beeinflusst er unsere Urlaubsplanung.
Foto:Christian Topel / Michaela Stumpf

Region im Schatten der Aschewolke


Höhere Gewalt: Pfingsturlauber schauen derzeit sorgenvoll gen Himmel: Eyjafjallajökull droht ihnen einen Strich durch die Reisepläne zu machen. Doch auch Reisebüros verfluchen den Vulkan und die von Island aus über Europa ziehende Aschewolke.

Region. Er spuckt und spuckt und spuckt: Seit Mitte April verpestet der auf Island liegende Vulkan Eyjafjallajökull die Atmosphäre mit Asche. Immer wieder werden deshalb in ganz Europa Flugverbote verhängt. Das nervt Passagiere, die zu Hunderttausenden auf der ganzen Welt festsitzen oder von Zuhause gar nicht erst abheben können; das ärgert Fluggesellschaften, die Millionenverluste verkraften müssen; das treibt vor allem aber auch regionale Reisebüros zur Weißglut. Jede Eruption kann heftige Umsatzeinbußen, jeder Hustenanfall des Vulkans Überstunden und logistische Turnübungen nach sich ziehen.

Pietro Falchi, Leiter des auf Last Minute Reisen spezialisierten Büros von L´Tur Rosenheim, würde dem Vulkan am liebsten eigenhändig den Hahn zudrehen. Besonders die Luftraumsperrung über den Baleareninseln - eine klassische Last Minute Destination - ließ Kunden ausbleiben und Umsätze schrumpfen. Das Pfingstferiengeschäft laufe schleppend, Kunden seien verunsichert. „Das größere Problem ist aber der Aufwand, den man betreiben muss, um die Leute wieder gut und zeitnah nach Hause zu holen”, findet Falchi. Dieser gestiegene Organisationsaufwand macht auch Jutta Mauritz zu schaffen. Sie saß bei der ersten umfassenden Luftraumsperrung praktisch Tag und Nacht in ihrem Reisebüro am Marienplatz in Wasserburg und koordinierte die „Rettungsaktionen”. „Gottlob hatte unser Backoffice alles im Griff”, erinnert sich Mauritz. Inzwischen habe man sich schon eine Art Routine angeeignet. Es gelte den Überblick zu bewahren, wo jemand festsitze, und den Kontakt zu halten.

Eine Art „Notfallplan“ hat Elisabeth Berr nicht in der Hinterhand. „Da ist jede Situation anders. Man kann immer erst überlegen und entscheiden, wenn so ein Fall eintritt”, sagt die Inhaberin des Reisebüros und Busunternehmens Berr aus Bruckmühl, die auch schon ihre Erfahrung gemacht hat mit der Aschewolke und ihren Folgen. Berrs hatten zum Zeitpunkt des ersten Vulkanausbruchs verschiedene Rad- und Wandergruppen auf Mallorca. Nun traf es sich so, dass eine Gruppe nicht zurückfliegen, die nächste den Urlaub nicht antreten konnte. „Kurzentschlossen schickten wir einen Bus runter”, erinnert sich Berr. Auf die-se Weise konnte das Unternehmen einerseits die Urlauber relativ zeitnah an ihren Urlaubsort bringen - und die eigenen, schon auf Mallorca sitzenden sowie sogar noch einige fremde, „gestrandete Passagiere“, die schon tagelang auf Feldbetten auf einen Rückflug warteten, mit nach Deutschland nehmen.

Der Zufall bescherte Berrs dabei Passagiere, die unter normalen Umständen nie auf die Idee gekommen wären, mit dem Bus zu reisen: Vertreter aus der Chefetage des Burda-Verlagshauses. „In dieser Situation war jeder so froh, endlich eine Rückfahrmöglichkeit gefunden zu haben, dass noch Tage nach der Rückkunft zahlreiche dankende Anrufe und Emails bei mir eintrafen“, sagt Elisabeth Berr nicht ohne Stolz. Natürlich sei das für gewöhnlich keine Alternative zu einer gebuchten Flugreise. „Jedoch bedürfen besondere Situationen eben auch besonderer Lösungen“, so Berr weiter. Die Bruckmühlerin gibt zu bedenken: „Irgendwo tagelang auf einen Rückflug zu warten und damit weitere Urlaubstage zu vergeuden, ist mit Sicherheit auch keine bessere oder schlechtere Alternative“.

Im Allgemeinen hätten Berrs keinen Rückgang an Flugreisen oder ein „Umsteigen auf den Bus“ zu verzeichnen. Das Urlaubsverhalten sei nach wie vor gleich - vielleicht mittlerweile mit einem Gedanken daran, dass eine Flugreise nicht pünktlich oder mit Hindernissen vonstatten gehen könnte...
Auch Jutta Mauritz sieht keinen Grund zur Panik - weder bei sich, noch bei Reisenden. Obwohl Reiseveranstalter den Vertrag auch gegen Ende der Reise kündigen, wenn Flüge ausfallen, entbinde sie das nicht aus ihrer Beförderungspflicht. „Die will bestimmt keiner umgehen”, versichert Mauritz. Räumt aber ein, dass der Kunde bei Aufenthaltsverlängerungen auf den Mehrkosten sitzen bleibt. Zur Hälfte habe man sich zu beteiligen. Viele Reiseveranstalter und Hotel-iers seien aber kulant und bemüht, zumindest einen Teil der Kosten für die zwangsläufige Aufenthaltsverlängerung zu übernehmen.

Das kann Simone Oberholz von der Rosenheimer Verbraucherzentrale bestätigen. „Ein Vulkanausbruch ist zwar ein klassischer Fall von höherer Gewalt, für den kein Flugunternehmen oder Reiseveranstalter haftbar gemacht werden kann. Das bedeutet aber nicht, dass der Urlauber rechtlos wäre und alle finanziellen Folgen selbst tragen muss.” Der Pfingsturlaub kann also kommen. Asche hin oder her.

Christian Topel 20.05.2010
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