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Damit das Fasten kein Fiasko wird
Ist weniger mehr? Wenn der Kater am Aschermittwoch auskuriert ist, beginnt für viele eine Zeit des Verzichts: Sie fasten - und hoffen auf spirituelle Läuterung, körperliche Entschlackung oder Gewichtsabnahme. Doch medizinisch ist das Fasten umstritten.
Region. So unterschiedlich die Gründe und Inhalte des Verzichts, so groß die Anzahl derer, die ihn ausüben - jedenfalls in Bayern. 54 Prozent halten einen gezielten Verzicht auf bestimmte Genussmittel über mehrere Wochen für sinnvoll, ergab eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK. In den vergangenen Jahren hat über die Hälfte der befragten Bayern mindestens eine Fastenzeit eingelegt. Sozusagen zum Geschäft gehört das Prozedere für Amit Sinha Roy, Pfarrer von Tuntenhausen und damit Leiter des berühmten Katholischen Männervereins. Er erinnert an die christlichen Ursprünge der Fastenzeit und die darauf zurückzuführende Dauer von 40 Tagen (von Aschermittwoch bis zur Osternacht): An die 40-jährige Wanderung der Israeliten durch die Wüste etwa; oder an Jesu Christi 40-tägiges Fasten zur Vorbereitung seines öffentlichen Wirkens. „Während dieser Zeit widerstand Jesus auch den Versuchungen seitens Satan”, schlägt Pfarrer Roy die Brücke ins Heute.
Darum nämlich solle es beim Fasten gehen, um einen bewussten Verzicht, der Geist und Körper reinige. Indem man den Konsum zurückfahre, trete das eigene Menschsein in den Vordergrund, erklärt Roy und macht den Menschen Mut, den Versuch zu wagen. Denn: „Fasten ist nicht schwer. Es ist reine Willensache. In Wirklichkeit brauchen wir gar nicht so viel!” Der Pfarrer selbst tritt mit gutem Beispiel voran: Süßes komme ihm derzeit nicht in die Tüte, verrät er - und steht damit nicht allein. 64 Prozent der Befragten verzichten beim Fasten am ehesten auf Süßigkeiten. Danach wird seltsamerweise der Alkohol (60 Prozent) genannt. Seltsamerweise, weil doch gleichzeitig mit der Fasten- auch die Starkbierzeit Einzug hält im Freistaat. Um den Josephitag (19. März) werden vielerorts die Bock- und Doppelbockbierfässer angezapft.
Doppelbock als Beispiel für Doppelmoral? Nicht ganz, denn die hohe Schule der Braukunst hat ihren Ursprung in den bayerischen Klöstern des 11. Jahrhunderts. Die Mönche betrachteten Bier als nahr- und schmackhafte Ergänzung zur eher kargen Klosterkost. Besonders in der Fastenzeit galt es, durch gehaltvolle Getränke den Mangel an fester Nahrung zu kompensieren - gemäß dem Leitspruch: „Flüssiges bricht Fasten nicht.“ Also entwickelten die bierkundigen Geistlichen das Starkbier, um den vom Fasten geschwächten Körper zu stärken. Das „flüssige Brot“, wie die Klosterbewohner den kräftigen Trunk auch nannten, hatte eine ausgesprochen sättigende Wirkung.
Viel trinken, das raten Mediziner auch all jenen, die sich einer regelrechten Fastenkur unterziehen. Freilich nicht Bier, sondern besser Kräutertees, Gemüse- oder Obstsäfte. Diese Fastenkuren sind es allerdings auch, die immer wieder Kritiker auf den Plan rufen. Den Körper von Schadstoffen zu befreien, gehörte von jeher zu den Grundgedanken des Fastens. Ob dies durch den Verzicht auf Nahrung überhaupt möglich ist, ist allerdings in der Wissenschaft genauso umstritten wie die gesundheitlichen Auswirkungen des bewussten Hungerns zur Gewichtsreduzierung.
Davor warnt beispielsweise Dr. Bernhard Kofler aus Rosenheim, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbands. Freilich, man nehme in den paar Wochen durchaus merklich ab, gibt der Arzt zu. Doch dabei handele es sich um Wasser. „Wer seine Ernährung nicht umstellt, hat die Pfunde schnell wieder drauf”, so Kofler - der berüchtigte Jojo-Effekt tritt ein. Hauptzweck des Fastens sei geistige und körperliche Reinigung - wobei auch Kofler den Begriff des „Entschlackens” in diesem Zusammenhang medizinisch für fragwürdig hält. Er empfiehlt jedenfalls das Fasten nach Buchinger und rät vor allem Kranken wie etwa Diabetikern, sich ärztlich begleiten zu lassen.
