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Die Jagd nach Gold
Der von der internationalen Finanzkrise ausgelöste „Run auf Gold“ macht sich auch in der Region bemerkbar. Immer mehr Anleger setzten auf das leuchtende Metall.
Region. Als ein New Yorker Börsenmakler vor wenigen Tagen in einer Fernsehsendung gefragt wurde, was man angesichts der chaotischen Zustände an der Wall Street tun könne, antwortete dieser: „Kaufen Sie Gold, Munition und Waffen!“ Sicher war bei dem Broker eine gehörige Portion Sarkasmus und Galgenhumor mit im Spiel, doch mit dem Signalwort Gold sprach der Broker ein Phänomen an, das derzeit von New York bis Moskau reicht und auch vor den Grenzen des Freistaates nicht Halt macht: Das goldene Klingeln im Ohr scheint dem Dollar vor den Augen ernsthafte Konkurrenz zu machen. Wer momentan auf der Internetseite des Münchner Edelmetallhändlers „Pro Aurum“ Barren und Münzen bestellen möchte, bekommt folgenden Satz zu lesen: „Die außergewöhnlich hohe Anzahl an Kundenorders zwingt uns, den Shopbetrieb für Edelmetalle vorübergehend für neue Kauforders einzustellen.“ Auch Schmuck- und Altgoldhändler buhlen mit verlockenden Angeboten um altes Zahngold und die beschädigten Klunker der Urgroßmutter - mittlerweile sogar mittels Werbespots auf großen TV-Sendern.
Immer mehr Anleger flüchten nach den Bankenpleiten und Börseneinbrüchen weg von Wertpapieren hin zu jenem chemischen Element, das bereits zu Zeiten der ägyptischen Pharaonen als Inbegriff für Wohlstand und Macht galt.
Auch im Landkreis Rosenheim hat das Goldfieber Einzug gehalten. „Die Nachfrage nach Gold ist in jüngster Zeit sprunghaft gestiegen. Man kann aber feststellen, sie steigt bereits seit Wochen beziehungsweise Monaten kontinuierlich an. Es werden sowohl Münzen als auch Barren verlangt, wobei die Tendenz zu Münzen leicht überwiegt“, berichtet Alfons Maierthaler, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling und fügt hinzu: „Es kommt immer darauf an, aus welchen Beweggründen Kunden Vermögensteile in Gold anlegen wollen. Als Sicherheitsreserve für kritische Zeiten wählt man beispielsweise eher kleine Stückelungen, zu Spekulationszwecken eher größere Einheiten.“
Die Nachfrage nach Gold könne aber gestillt werden - wenn auch mit Verzögerung. „Der Preis wird tagesaktuell vereinbart. Die Auslieferung der Stücke kann sich - je nach Art der Stücke - auf derzeit zwei bis sechs Wochen verzögern. Das liegt aber nicht am Goldmangel; die Prägeanstalten kommen mit dem Prägen nicht nach. Außerdem ist die Logistik sehr aufwändig“, so Maierthaler.
Den Engpass beim Nachschub können auch Hubert Kamml, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Raiffeisenbank Mangfalltal-Rosenheim und Konrad Irtel, Vorstandssprecher der VR Bank Rosenheim-Chiemsee bestätigen: „In Abhängigkeit von der Höhe des Wertes sind derzeit Wartezeiten möglich“, sagt Hubert Kamml. Doch der große Ansturm scheint sich gelegt zu haben: „Der Höhepunkt wurde Ende letzter Woche erreicht. Im Laufe dieser Woche hat sich die Nachfrage wieder normalisiert. Wir gehen davon aus, dass sich auch die Lage bei den Goldhändlern in den nächsten Wochen wieder normalisiert“, so Konrad Irtel.
Grundsätzlich sollten die Goldbestände nicht erst im Zeitpunkt einer Krise aufgebaut werden. Sinnvoller wäre es, in Gold regelmäßig zu investieren. Damit bestehe die Chance, einen günstigeren durchschnittlichen Einstandspreis zu erzielen, meint Irtel.
Hubert Kamml weist diesbezüglich auch darauf hin, dass die Anlageform Gold spekulativ sei und den Kursschwankungen des Marktes unterliege. Es bestehe daher für Anlagen in Gold keine Garantie.
Vor einem Goldrausch warnt auch Alfons Maierthaler: „Es gibt keine Verzinsung. Für eine sichere Aufbewahrung fallen jedoch hohe Aufbewahrungskosten an - seien es nun eigene Sicherungseinrichtungen mit dem Risiko von Diebstahl oder Verlust oder seien es die Mietpreise für Schließfächer und die Versicherungsprämien.“ Deshalb rät der Sparkassen-Chef dazu, bei hohen Vermögenswerten zwei bis drei, maximal zehn Prozent in Gold zu investieren. Vor einer Kaufentscheidung sollte man sich jedoch unbedingt von einem erfahrenen Spezialisten beraten lassen, so Maierthaler.
