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Zu wenig Frauen an der Macht?
„Deine Frau - das unbekannte Wesen”, titelte einst ein schlüpfriger Film. Der machte aus Unbekannten keine Bekannten - verkannt blieben Frauen ohnehin.
Rosenheim / Region. Daran zu erinnern, vor allem aber die trotz weiblichen Staatsoberhaupts lang noch nicht erreichte Gleichstellung von Frauen weiter voranzutreiben, ist Sinn und Zweck des Internationalen Frauentags. Der findet seit 1921 am 8. März statt und schlägt mit seinem diesjährigen Motto „Damenwahl” eine Brücke zu seinen sozialistischen Ursprüngen des beginnenden 20. Jahrhunderts.
Damals hatte die deutsche Sozialistin Clara Zetkin (1857 - 1933) beim II. Kongress der Sozialistischen Internationale 1910 in Kopenhagen die Einrichtung eines jährlichen internationalen Frauentags gefordert. Während der ersten Durchführung 1911 gingen in Deutschland, Österreich, Dänemark und der Schweiz Frauen auf die Straßen, um vor allem für das Frauenwahlrecht zu demonstrieren.
Ein solches ist bei uns bekanntlich lange eingeführt. Wenn man sich jedoch die Kandidatenliste zur kommenden Kommunalwahl anschaut, dann fällt auf, dass Frauen nur zur Hälfte von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen.
Von dem aktiven nämlich. Das passive Wahlrecht, also das Recht, sich selbst in ein politisches Amt wählen zu lassen, nehmen kaum Frauen wahr. So finden sich im gesamten Landkreis gerade mal zwölf Kandidatinnen für den Bürgermeisterposten - neben 91 männlichen Bewerbern. Einzig Raubling wartet mit einer Mehrzahl an Frauen (3) gegenüber Männern (1) auf - genauso wie die Stadt Rosenheim, wo Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) ihren Stuhl nicht nur gegen Karl-Heinz Brauner (Grüne), sondern auch gegen Gabriele Leicht (SPD) verteidigen muss. Ausnahmen, die allenfalls als Bestätigung der Regel taugen. Denn auch in unseren Gefilden gilt: Spitzenpositionen in Wirtschaft oder Politik sind vornehmlich testosterongeschwängert besetzt. Helga Gold, Direktorin am Amtsgericht Rosenheim, oder Polizeihauptkommissarin Christine Müller, noch bis 1. März Dienststellenleiterin der Polizeiinspektion Bad Aibling, sind eher Exotinnen. Die Top-Unternehmen der Region liegen fest in Männerhand.
Vielleicht mit ein Grund dafür, warum das Aktionsbündnis Internationaler Frauentag schon lang bevor Rosenheims Geschicke von zarten Frauenhänden geleitet wurden, alljährlich ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm (siehe Kasten) rund um den 8. März zusammenstellte. Das diesjährige Motto „Damenwahl” erfährt dabei vielfältige Interpretationen, Ziel ist aber immer das gleiche: „Es ermutigt Frauen Wahlfreiheiten anzunehmen und sich dort, wo keine bestehen oder nur vermeintliche, sich für solche einzusetzen”, erklärt die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Rosenheim, Martina Wildenburg.
