Lesen Sie dazu auch
- 07.03.2007 Nicht rauchen kann tödlich sein – her mit dem Raucherschutzgesetz!
- 21.02.2007 Von einem der auszog, eine Ausgezogene zu interviewen
- 15.02.2007 Bei den Spätschäden hängen Valentinstag und Fuball-WM zusammen
- 24.01.2007 Fasching und Stoiber: zwei Institutionen auf dem Abstellgleis
- 17.01.2007 Der Horror: in der Haut eines dösenden Verlegers...
MEINUNGEN | Kolumnen | Gifthaferl

Zum am Rad drehen: Mit strammen Waden dem Verstand voraus
Wenn höchstwahrscheinliche Halunken allen überführenden Indizien zum Trotz ein reines Gewissen heucheln, dann bemühen sie gern Zweierlei. Ihre nur vom Hörensagen herrührenden Lateinkenntnisse, und ein von hohler Heldenverehrung herrührendes Pathos. Für beides können sie nichts. Die Schule müssen sie abbrechen, um sich mit Haut und Haar ihrer Sache, dem Leistungssport, widmen zu können, die Huldigungen werfen wir ihnen hinterher, ehe wir merken, dass ein Dutzend fauler Eier schon eher angebracht wäre.
Pathos und Latein - eine Kombination, die solch schummelnde Spezis dann Sätze sagen lässt wie: «In dubio pro reo.» Das trichtern ihnen wahrscheinlich ihre Anwälte ein, während sie an einem Tropf hängen, über den ihnen wiederum ihre Ärzte jene «Vitamine» eintrichtern, die sie nicht wie unsereins mittels Obstsalat oder Sanostol zu sich nehmen können. So ein Lackel von einem Profi-Radrennfahrer braucht ja auch viel, viel mehr Vitamine als Otto-Normal-Radfahrer, der sich höchstens mal den Heuberg hochquält, während der wahre Sattel-Strizi die Pedale dem Peloton voraus über die Pyrenäen plagt.
Der Deutschen liebster Flitzer fährt fortan jedoch nie wieder die Tour De France. Mehr Zeit für die Familie mag er haben, sich nicht mehr dem Stress aussetzen, wie er auf einer als Pressekonferenz deklarierten Posse kundtat. Nachhaken war dabei verboten. Hätte ja einer auf die Idee kommen können zu fragen, was denn nun mit den Dopingvorwürfen sei. Es gebe da schwarze Schafe, hatte der einstige Gott in Gelb sinnentleert geschwafelt, und sich damit selbst, wenn nicht als Sünder, so doch zumindest als Schaf geoutet.
Seine Unschuld wäre ja denkbar einfach zu beweisen. Die ihm zugerechneten Blutbeutel des spanischen Dopingdoktors Fuentes müssten bloß zum DNA-Abgleich. Nicht mit mir, dachte sich der Heilige, in Deutschland gilt die Unschuldsvermutung, und legte Berufung ein gegen die Weitergabe des Materials. Gottlob wurde die inzwischen abgewiesen. Das war nicht selbstverständlich. Weil wir uns nämlich eine autonome Sportgerichtsbarkeit leisten. Wundert mich, dass nicht reihenweise Junkies auf die Idee kommen, Sportvereine zu frequentieren, um dort ungestört ihrer Sucht zu fröhnen. Als Profisportler, insbesondere Profi-Radler, lebte sich´s ja bisher völlig ungeniert.
Nun ja, der zurückgetretene Saubermann Jan Ullrich geniert sich ja auch nicht, dem Radsport noch erhalten zu bleiben. Als Berater, Werbeträger und Repräsentant für den österreichischen Rennstall Volksbank. Macht für das Image des Radsports ungefähr genauso viel Sinn, als würde man Hannibal Lecter damit beauftragen, einer Horde Kannibalen die ökologischen und ökonomischen Vorteile von vegetarischer Ernährung zu erklären, wundert sich
Georg Gifthaferl
gifthaferl@rosenheimer-nachrichten.de
