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Foto:Alexander Möller

Ja zum Glauben, ja zur Tradition

Osterritt und St.Georgi-Wallfahrt lockten rund 30.000 Besucher nach Traunstein und Ettendorf


Traunstein – Ja zum Glauben, ja zu Bayern, ja zum unverfälschten Brauchtum, ja zum Pferd als Freund des Menschen: Der Georgi-Ritt ist auch 2007, nach 245 Jahren, noch ein Teil des Lebens im Chiemgau. Rund 30.000 Menschen mögen es am Montag bei herrlichstem Frühlingswetter gewesen sein, welche die Wallfahrt zum Ettendorfer Kirchlein St. Vitus und St. Anna erlebt haben.

Schon am Sonntagabend trafen die ersten Reiter mit ihren Pferden ein, machten Quartier in der Chiemgauhalle und waren am Ostermontag in der Früh rasch auf den Beinen, ihre treuen Vierbeiner zu füttern und herauszuputzen, um fertig zu sein, wenn die Glocken von St. Oswald zur Wallfahrt rufen. Traditionell macht ja der Schwertertanz den Anfang, endlich den verleideten Winter auszutreiben. Eine interessante Choreografie, die Traunsteiner kennen sie, Fremde staunen eine halbe Stunde über die Faszination der mal streng, mal kämpferisch und auch komödiantisch wirkenden Darbietung.
Schließlich schlägt Punkt zehn Uhr der Moment des Herolds: Höchstpersönlich verkündet der Vorsitzende des St. Georgs-Vereines, Albert Schmied, «Hie gut allweg alten Brauches Pfleg` nach Ettendorf wir reiten wie zu Väters Zeiten». Im wahrsten Sinne des Wortes setzt Albert Schmied die Familientradition in dritter Generation fort: Schon sein Vater war 35 Jahre Vorsitzender: «Wir pflegen die religiöse Tradition» –diese Maxime steht im Vordergrund. Bierzelt und Zehrstände fehlen jenen, die sich an üblichen historischen Festen orientieren. Aber so ist es besser: Man merkt den Teilnehmern an, dass ihre Mitwirkung an dieser Wallfahrt ein Herzensbedürfnis ist. An diesem sonnigen Ostervormittag ziehen sie mit ihren geliebten Rössern – auffällig vielen Haflinger und schwere Noriker – gen Ettendorf. Jedes Pferd ist mit Geschmack besonders herausgeputzt, ein Prachtstück für sich: Geduldig harren sie aus, nur selten wirkt ein Tier nervös. So kommt es am Ende auch, wie es sich die Veranstalter wünschen: Alles verläuft reibungslos.
Quer durch die Innenstadt verläuft die Route des Bittganges zu Ehren von St. Georg, einer der 14 Nothelfer. Über die Kammerer Brücke hin zur Bahnunterführung: An den Straßenrändern freuen sich die Zuschauer nicht nur über die Fußgruppen wie Trommler und Pfeifer, Schwerttänzer und Landsknechte, sondern staunen vor allem über die Reiter: Römische Legionäre geben sich christianisiert, sehr friedlich, der Eiserne Ritter und Hans von Schaumburg präsentieren sich ehern wehrhaft. Wagen mit wunderschön anzuschauenden Trachten passieren ebenso die Bahnunterführung wie die Kutschen mit den Promis: Da sind Oberbürgermeister Fritz Stahl und Landrat Hermann Steinmaßl ebenso zu sehen wie Regierungspräsident Christoph Hillenbrand und Bezirkstagspräsident Franz Jungwirth. In einer anderen Kalesche fährt Ehrenmitglied (seit 1943) Ewald Mertens in guter Gesellschaft mit Oberfeldveterinär Dr. Franz von Rennenkampf (Bad Reichenhall) mit. In weiteren Kutschen sitzen Mitglieder der vier im Traunsteiner Stadtrat vertretenen Fraktionen von CSU, SPD, Freien Wählern und Grünen friedlich vereint, ebenso fahren verdiente Mitglieder und Ehrengäste des Vereins mit.
Hoch zu Roß wallfahren Traunsteins St. Oswald-Stadtpfarrer Sebastian Heindl auf einem Pinzgauer Kaltblüter namens Bruno und Monsignore Konrad Huber (früher Pfarrer in Bergen) zum Ettendorfer Kirchlein: Hier erteilt Pater Anton den Pferden und Reitern den Segen, gleiches übernimmt Stadtpfarrer Sebastian Heindl auf dem Stadtplatz vor St.Oswald.
Wahrlich imposant sind die Zahlen, die von Albert Schmid senior vorgelegt werden: 1300 Teilnehmer und 410 Pferde, damit ist der Georgi-Ritt der größte südlich der Donau. Aus einem Umkreis von rund 60 Kilometern kommen die Pferdefreunde mit ihren Rössern in die Kreisstadt. Wie Albert Schmied informiert, wird die größte Pferdewallfahrt in Kötzting durchgeführt: Hier nehmen 850 Tiere teil. Vier Musikkapellen sorgen für die musikalische Umrahmung. Dass in einer Zeit von modernster Waffentechnik in der Gebirgskomponente der Bundeswehr auch noch Haflinger und Mulis ihren Dienst als Tragtiere versehen, freute die Zuschauer besonders.

Alexander Möller 10.04.2007
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