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Bella Thiel.
Foto:RN

Penis, Party, Politik


Wenn das Theater „Ridere in Publico” ein Volksstück anpackt, dann ist Kontroverse garantiert. Nach dieser Horváth-Inszenierung steht R.I.P. für „Radikal im Provozieren”.

Rosenheim. Seit Sonntag präsentiert das Theater in der Rosenheimer Vetternwirtschaft (Oberaustraße 2) das Volksstück „Kasimir und Karoline“ frei nach Texten von Ödön von Horváth und Michel Houllebecq. Das gemütliche Ambiente täuscht. Regisseur Matthias Kauffmann macht aus einer Wohnzimmerparty ein Spektakel, das die Schmerzgrenzen des Publikums nicht nur auslotet. Spätestens mit dem Auftritt des splitternackten Justus Dallmer in der Rolle des Dr. Rauch überschreitet das Ensemble sie auch. Doch das bewusst, denn Programm des gesamten Unterfangens in Kauffmanns erster Komödie ist die Provokation.

Thematisiert in immer wieder die Fiktion durchbrechenden Verfremdungseffekten, realisiert in Szenen, die die gesamte Bandbreite des Humors abdecken. Von feiner Ironie (minutenlanges Schweigen zu Beginn), über amüsanten Klamauk (zu Kakaostaub zerbröselnder Kuchen) bis hin zu Gags weit unter der Gürtellinie (Dallmers Penis) scherzt sich das Stück. Und hat es deshalb schwer, wenn es politische Botschaften vermitteln will. Die erste Strophe des Deutschlandlieds oder die mit Hitlerbärten angepinselten Konterfeis von Hillary Clinton, Barack Obama und George W. Bush (Osama bekam keinen!) wirken effektvoll. Ihr Zweck, politischen Einheitsbrei anzuprangern, geht aber im Lärm der singenden Discokugel nahezu unter. Provokation um der Provokation willen, das erschöpft sich mit der Zeit.

Es spielen eine aufgeweckte Anna März, eine nur zu anfangs blasse Bella Thiel (Foto), ein überdrehter Justus Dallmer und ein in seiner Schüchternheit und Zurückgenommenheit großartiger Markus Diedrich in einer musikalischen Revue, die streckenweise Spaß macht, streckenweise schmerzt, auf jeden Fall aber provoziert. Weitere Vorstellungen sind am 25. März, 13., 19., 26., April, sowie 11. und 18. Mai um jeweils 20 Uhr. Matinée mit Frühstück am 30. März um 11 Uhr. Dienstag ist Theatertag mit nur 7 Euro Eintritt. Karten zu 9 (ermässigt 6) Euro gibt es unter der Telefonnummer 08031-44345.

Christian Topel 19.03.2008
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