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Blut, Schweiß, Tränen: Die Nibelungen sind los
Rosenheim - Der Sinn eines Mythos bestehe darin, stets wiederbelebt und neu aufgeladen zu werden, schreibt Matthias Kauffmann im Vorwort zu seiner Inszenierung der Nibelungen-Sage frei nach Friedrich Hebbel, Ernst Raupach und Emanuel Geibel. In einer buchstäblich schweißtreibenden Premiere in der Rosenheimer Vetternwirtschaft hat sich der 23-jährige Regisseur das Fortschreiben des Mythos zwar ein wenig zu sehr zum Motto gemacht, starke Schauspieler und Szenen machen den Abend aber zum Achtungserfolg.
Metaphorisch bedient Veronika Hager als Brunhild das Bild vom ewigen Mythos. Chronistin einer blutigen Zeit schreibt sie quasi fortwährend an der (eigenen) Geschichte. Sie und Anna-Maria Hirsch als kindlich-betörende Kriemhild sorgen für die ruhigen, rührenden Momente, während die männlichen Figuren ihr Dasein als Clown-Posse nicht immer ablegen können - und wohl auch nicht sollen. Leider. Denn richtig stark ist das Stück, wenn das Ensemble auf selbstironische Gags verzichtet und den Mut hat, sich, den Stoff und die eigene Interpretation ernst zu nehmen. Das gelingt zum größten Teil, trotz «dancender», Dart und Monopoly spielender Burgunder; misslingt jedoch auf geradezu schmerzhafte Weise während des Showdowns. Wie ein Hieb trifft den Zuschauer der Bruch, den der Hinweis aufs Schaumgummi-Schwert verursacht.
Die meiste Zeit über agiert das Ensemble schmerzfrei und ohne Rücksicht auf das ihnen auf der Pelle sitzende Publikum. Da gelingt es Kauffmann dann tatsächlich zu zeigen, wie zeitlos Intrigen sind. Damals wie heute geht´s bei Mord und Totschlag um Geld oder Liebe. Selbst Blut wird binnen Sekunden wieder dünner als Wasser, wenn es hart auf hart kommt. Treue? Führen wir Menschen zwar im Munde, schlucken sie aber genauso achtlos herunter wie den Wein, den das Nibelungen-Volk schon zum Frühstück vertilgt. Kauffmann kann´s also auch Philosophisch! Gut ausgewählt außerdem: der Soundtrack. Wenn auch zuweilen zu laut, Dialoge übertönend. Und am Ende des Gemetzels? Geht Dominik Frank als Rüdeger mit dem Schwamm drüber... Die sehenswerte Aufführung des Theaters R.I.P. kommt wieder am Samstag, 2. Juni, in der Vetternwirtschaft auf die Bühne.
