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THEMEN | Urlaub & Reise

Wiener Unterwelten
Reise in den Untergrund der Donaumetropole: von geheimnisvollen Hohlräumen, unterirdischen Gruften, legendären Kanalschächten und urigen Weinkellern.
Wien. Im August manifestierte sich das Sommerloch in Österreichs Hauptstadt im wahrsten Sinne des Wortes: An der Ringstraße tat sich urplötzlich ein fünf Meter tiefes Loch auf und verschluckte eine Jungpappel vor den Augen einiger Passanten. Einer von ihnen kommentierte das Geschehen angeblich mit trockenem Wiener Schmäh: „Es vaschwind bei uns so vü und man waaß net wohin.”
Zwar wurde das Loch schnell verfüllt und die Pappel gerettet, doch der rätselhafte Vorfall konnte bis jetzt nicht eindeutig geklärt werden - ein Hohlraum, der von ehemaligen Bautätigkeiten herrührt, gilt als allgemein anerkannte Ursache. Dass sich urplötzlich Hohlräume auftun, ist in Wien nichts Neues - immerhin wußte auch Austropop-Legende Wolfgang Ambros schon vor Jahren zu berichten: „Hoit, do is a Spoit - paßt‘s auf doß kana eine foit.”
Im Zuge der Bauarbeiten für die U-Bahn stieß man im Jahre 1973 auf einen unterirdischen Sakralraum: die Virgilkapelle. Sie befindet sich direkt unter dem Stephansplatz und gibt Forschern bis heute Rätsel auf - sowohl was ihre Entstehung betrifft als auch bezüglich der sonderbaren, byzantinisch anmutenden Radkreuze an den Wänden. Esoterisch angehauchte Kreise wollen hier einen der stärksten Kraftplätze der Alpenrepublik ausgemacht haben, neugierige Touristen können zumindest einen Blick durch ein Fenster im U-Bahn-Zwischengeschoss werfen; die Kapelle ist aus konservatorischen Gründen nicht zu betreten.
Besichtigen kann man stattdessen viele der anderen Gruften, welche den Wiener Untergrund im Laufe der Jahrhunderte wie einen Schweizer Käse ausgehöhlt haben: seien es die Katakomben unter dem Stephansdom, die habsburgische Kapuzinergruft oder die unheimliche Michaelergruft. Von letzterer sei sensiblen Zeitgenossen eher abgeraten; einigen Mumien ist der Todesschrecken bis heute ins Gesicht geschrieben.
Auch der Wiener Sagenschatz ist gespickt mit Abgründen: Da gab es zum Beispiel den Basilisk, jenes furchterregende Fabelwesen, das einst in einem Brunnenschacht in der Schönlaterngasse gehaust haben soll. Berühmt ist auch die Legende vom lieben Augustin, der nach ausgiebigem Weingenuss in einer Pestgrube seinen Rausch ausgeschlafen hat und am nächsten Tag fluchend wieder aus selbiger heraus gekrochen ist, ohne Schaden zu nehmen.
Doch Wien lockt heute auch mit Unterwelten ganz anderer Art - ebenfalls ungeeignet für sensible Typen, wenngleich in anderer Hinsicht: Wie wäre es mit einer Exkursion ins Kanalsystem? Bis Ende Oktober gibt es vom Magistrat organisierte Touren durch die Wiener Kanalisation auf den Spuren des Filmklassikers „Der Dritte Mann”. Dabei kann man geruchsintensiv die berühmte Verfolgungsjagd des Orson Welles alias Harry Lime durch das Kanalsystem des Nachkriegs-Wien nachverfolgen.
Nach solch einer Tour steht einem der Sinn dann auch wieder nach wohlriechenderem Ambiente. Deshalb nichts wie hinabgestiegen in einen der urigen Stadtheurigen, wie etwa den Esterhazykeller oder den Zwölf-Apostelkeller. In den mittelalterlichen Gewölben, die sich in bis zu drei Ebenen unter der Oberfläche befinden, locken Wiener Spezialitäten, das eine oder andere Achterl Veltliner oder - jetzt im Herbst - ein Glaserl Sturm. Doch Vorsicht ist geboten: Schließlich muß jeder aus den unterirdischen Weinkatakomben auch irgendwann wieder den Weg nach oben antreten - und das ist für manchen dann gar nicht mehr so leicht.
www.drittemanntour.at
