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THEMEN | Urlaub & Reise

Kairo, die Pyramide und der Kreisverkehr
Smog, Verkehrschaos und Armut auf der einen, Gastfreundschaft und Weltwunder auf der anderen Seite. Ägypten ist ein faszinierendes Land voller Kontraste.
Kairo. Wer am Flughafen in Kairo ägyptische Luft inhaliert, kommt sich vor, wie in einer Tiefgarage, in der alle Autos gleichzeitig den Motor laufen haben. Hat sicher nur mit den Abgasen der Flugzeuge zu tun, denkt man sich im ersten Moment. Doch spätestens, wenn man den Nil überquert und die 100 Meter entfernte Brücke nur verschwommen erkennt, merkt man: Dieser Smog liegt über der ganzen Stadt. Auf der einstündigen Fahrt vom Flughafen nach Gizeh wird einem auch klar, woher der reizende Geruch des 20-Millionen-Molochs herrührt. Es sind die tausenden und abertausenden Automobile aus den 60er, 70er und 80er Jahren - Youngtimer, allen voran Peugeots aus Nigeria, welche das Wort Abgassonderuntersuchung mit einer grau-schwarzen Rauchwolke kommentieren.
Was bei ägyptischen Automobilen funktionieren muss sind genau zwei Dinge: Die Bremse und die Hupe. Mit beidem ausgestattet geht es dann auch lautstark hinein in den lebendigsten Kreisverkehr Afrikas, jenen von Gizeh, der 24 Stunden nicht zur Ruhe kommt. Direkt dahinter blicken sie in stoischer Ruhe auf das Verkehrschaos: Die riesenhaften Pyramiden. Einen stärkeren Kontrast findet man in ganz Kairo nicht als zwischen jenem blechernen und hupenden Perpetuum Mobile und jenen majestätischen Steinbergen der Ewigkeit. Man sollte den Anblick von der Terrasse des Hotels bei einem ägyptischen Bier auf sich wirken lassen - allerdings nicht zu lange. Nach spätestens 30 Minuten fühlt man sich nämlich, als wenn man gerade Klebstoff geschnüffelt hätte und verbarrikadiert sich lieber in seinem Hotelzimmer, wenngleich der Smog seinen Weg auch durch die kleinsten Ritzen findet. Trotz Luftverschmutzung, Armut und Reizüberflutung: Wer Kairo nicht besucht hat, hat Ägypten nicht gesehen.
In der „Mutter aller Städte“, wie Afrikas größte Metropole auch genannt wird, braucht man allein vier Tage, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu besuchen: Ägyptisches Museum, Zitadelle, Bazar und Pyramiden. Bei letzteren gilt übrigens der Spruch: „Der frühe Vogel fängt den Wurm“. Wer rechtzeitig zum Ticket-Sonderschalter eilt, kann mit Glück die zwar teuerste, aber auch nur in begrenzter Stückzahl ausgegebene Eintrittskarte für die Cheopspyramide ergattern und durch das geheimnisvolle Bauwerk in gebückter Haltung in die schwarze Königskammer aufsteigen.
Wenn gerade keine lärmenden japanischen, russischen oder sonstigen Touristengruppen durch die Gänge der Pyramide krabbeln, ist dies ein wahrhaft magischer Ort, dessen spiritueller Energie sich wenige Besucher entziehen können. Natürlich darf auch ein Besuch beim großen Sphinx nicht fehlen, der sich weder durch Eisverkäufer und Kameltreiber noch durch Tagesausflügler in Badelatschen und Strandshorts aus der Ruhe bringen lässt und seinen wissenden Gesichtausdruck über viele Jahrtausende bewahrt hat. Ein bisschen Ruhe hat man als Ägyptenreisender nach vier Tagen Kairo allerdings nötig und dementsprechend tief durchatmen kann man bei der Ankunft in Assuan. Hier im Süden ist es zwar deutlich heißer als im Nildelta, dafür ist die Luft wieder unsichtbar und die ruhige Art der nubischen Bevölkerung steckt an. Die Gegend um das Katarakt gehört zu den landschaftlich reizvollsten und wer eine Bootsfahrt durch die kristallklaren Seitenarme des Nils unternimmt, hat zum ersten Mal das Gefühl, richtig in Afrika angekommen zu sein.
Ein traditionelles nubisches Essen trägt zum allgemeinen Wohlgefühl bei und ein Tagesausflug zum Ramsestempel in Abu Simbel lässt jedes Hobby-Ägyptologenherz höher schlagen. Apropos Wohlgefühl: Dieses kann in der Magen- und Darmgegend leider innerhalb von Stunden umschlagen. Doch zum Glück gibt es jene gelben Zaubertabletten, die ebenfalls innerhalb kürzester Zeit wahre Wunder bewirken und den Urlauber schnell wieder von der Toilette weg - und dahin bringen, wo er ja hin will: Zu den gewaltigen Zeugnissen einer einzigartigen Hochkultur.
Mit dem Bus geht es im Sonderkonvoi flussabwärts in Richtung Luxor - mit Zwischenstopp beim Krokodilgott Sobek in Komb Ombo und dem monumentalen Horusfalken in Edfu. Den unverzichtbaren Abschluss der Reise bilden die Tempelanlagen von Luxor und das Tal der Könige mit seinen kunstvoll ausgeschmückten Gräbern - Jugendstil in Perfektion aus einer Zeit, in der man Gold kannte aber noch keine Aktien. Der Zeit einer Hochkultur eben.
Reiseinfo: Für Ägypten empfehlen sich organisierte Gruppenreisen. So bietet beispielsweise Studiosus viele unterschiedliche Studienreisen in das Land am Nil an. Informieren kann man sich in den neu erschienenen Katalogen für 2009, die in Reisebüros erhältlich sind. Weitere Informationen erhält man unter Telefon 089/500 600 oder im Internet unter:
www.studiosus.de
