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THEMEN | Urlaub & Reise

Durchs wilde Belutschistan: Aufregend gestaltete sich die Fahrt durch das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet.
Foto:Riley

Mit dem Motorrad durch Asien


Ein Rosenheimer Lehrer ist auf zwei Rädern unterwegs nach Nepal. Halbzeitbilanz einer spannenden Abenteuertour von den bayerischen Alpen bis in den Himalaya.

Rosenheim / Lahore. Seit 2002 lebt und arbeitet der aus Liverpool stammende Engländer Chris Riley in Rosenheim. In diesem Schuljahr wird der beliebte Englischlehrer vielen Schülern der Dr. Karlscheuer Wirtschaftsschule abgehen - dafür werden kleine Nepalesen in den Genuss seines Unterrichts kommen. Riley verbindet nämlich einen langgehegten Traum mit einem sozialen Projekt. Mit seiner BMW r100GS ist Riley im August von Rosenheim aus in Richtung „Dach der Welt” nach Nepal gestartet. Dort möchte er dann eine kleine Dorfschule unterstützen.
Per E-Mail ist der 37-jährige Lehrer auf zwei Rädern seitdem permanent mit unserer Zeitung in Kontakt und hat in den vergangenen Wochen den Orient und Mittelasien durchquert - Gastfreundschaft, kleinere Kulturschocks und eine Prise Kriegsberichterstattung inklusive. Von Rosenheim ging es über die Alpen über Venedig mit der Fähre nach Griechenland und von dort über Istanbul am Schwarzen Meer entlang in die Osttürkei.

Je näher er der Grenze zum Iran kam, desto schlechter wurden die Straßen. „Es war ein echter Höllenritt über ungeteerte Pisten mit jeder Menge Geröll und LKWs. Meine Überholgeschicklichkeit verbessert sich mit jedem Kilometer Richtung Osten”, berichtet Riley. Hatte es der Engländer bereits in der Osttürkei schwer, ein kühles Feierabendbier zu ergattern, musste er in der Islamischen Republik Iran generell auf ein solches verzichten. Belohnt wurde er aber durch eine enorme Gastfreundschaft seitens der Perser. „Die Leute waren sehr freundlich und offenherzig, haben ständig gewunken und `Welcome to Iran!` gerufen. Wie ich die Leute so lachend und entspannt in ihrem Alltag gesehen habe, habe ich mir manchmal vorgestellt, wie es wäre, wenn der Iran bombardiert würde. Einfach unvorstellbar. Das wäre wirklich eine Tragödie”, meint Chris Riley, für den der Streckenabschnitt durch Persien zu einem echten Höhepunkt wurde.

Je mehr er sich der Grenze zu Pakistan näherte, desto mehr stieg auch die Nervosität. Schließlich galt es jetzt einen Krisenherd zu überwinden. Da Afghanistan für eine Durchreise überhaupt nicht in Frage kam, wählte Riley die Strecke durch Zentralpakistan nach Indien - auch nicht gerade eine friedliche Gegend, wie sich sehr schnell herausstellen sollte. In der pakistanischen Stadt Quetta (Region Belutschistan) gab es zwar im Hotel wieder ein kühles Bier, dafür aber auch die akustische Untermalung von tief fliegenden Kampfjets und Raketeneinschlägen nur wenige Kilometer weit entfernt. Der Rosenheimer Biker fand sich urplötzlich mitten in einem Bürgerkriegsgebiet wieder und wurde auf der Weiterfahrt ständig von bewaffneten Polizisten eskortiert.
Besonders im Grenzgebiet zu Afghanistan, einer sogenannten „tribal area”, war die Reise alles andere als ein entspanntes Gleiten über die Landstraße á la Easy Rider. „Ich hatte schon etwas Angst, als ein Polizeiauto mit Einschusslöchern in der Windschutzscheibe erschien und die Polizisten sich sehr nervös und unsicher verhielten”, berichtet der Rosenheimer. Da sich genau in dieser Zeit auch noch der verheerende Anschlag auf das Marriott Hotel in Islamabad ereignete, ist Riley jetzt froh, die Grenze nach Indien passiert zu haben. Von hier aus ist es nicht mehr weit nach Kathmandu, der sagenumwobenen Hauptstadt Nepals.

Lesen Sie auch Teil 2:
http://www.rosenheimer-nachrichten.de/zet_report_3_44404.html

Sven Eisermann 10.10.2008
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