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THEMEN | Urlaub & Reise

Gesichter eines Landes: In Nepal scheinen die Sieben- und Achttausender oft zum Greifen nahe.
Foto:Wössner

Glücksgefühl und Abenteuer im Bike-Olymp Nepal


Eine Nepal-Reise verändert. Es grenzt an Zauber, wie einen Nepal dazu veranlasst, manche Werte des Lebens wiederzuentdecken, welche zuvor der hektische Alltag raubte. Fast magisch lenkt das kleine Land die Konzentration auf Wesentliches. Das beginnt schon mit der Grußformel Namasté - übersetzt: «Ich grüße das Göttliche in dir.» Kein Wunder, dass wir uns schon bei der täglichen Begrüßung wie die Glücksgötter im Bike-Olymp fühlen.

Mit dem Mountainbike quer durchs Himalayareich - das heißt viele reizvolle Facetten Nepals erfahren: An einem Tag staunen wir über den hektischen Verkehrstrubel der Hauptstadt Kathmandu, wenig später erleben wir die Stille der Bergdörfer: Kein Strom, kein fließend Wasser im Haus, schon gar kein Radio oder Fernseher in der Nähe. Eine Zeitreise. Vor allem aber ist es eine Reise in eine andere, sehr farbige Welt: das markante Froschgrün der Getreide- und Reisterrassen, das strahlende Sonnengelb der Rapsfelder, das intensive Rotbraun der Lehmstraßen, Häuser in nahezu allen vorstellbaren Farben. Als Hintergrund der azurblaue Himmel - und immer wieder die weißen Bergriesen, die Sieben- und Achttausender, oft scheinen sie zum Greifen nah.

Unsere Mission in dieser überirdischen Umgebung ist die Suche nach einer verschollenen Handelsroute: Einst führte sie quer durchs Himalaya-Vorgebirge, verband das Kathmandutal mit Tibet. Mit dem Bau der asphaltierten Hauptstraße zum Annapurnamassiv war sie in Vergessenheit geraten. Können wir die Route wiederfinden und mit dem Mountainbike befahren?

Wo wir biken, hat nie zuvor ein Nepali ein Mountainbike, teilweise noch nie einen Menschen aus dem Westen, gesehen. Überall sind die Menschen aufgeschlossen, neugierige Alte, die die Räder abtasten. Lachende Kinder laufen einem entgegen, stets auf Tuchfühlung mit den seltsam aussehenden Fremden. «Why do you come to Nepal?» - die Standardfrage der wenigen im Bergland Englisch sprechenden Nepali. «Because your country is so beautiful» - die Antwort macht sie stolz und glücklich.

Wie beim Betrachten eines Hochglanz-Bilderbuchs kommen wir uns vor. Wir blättern von Seite zu Seite, indem unsere Augen durch diese Nepal-Landschaft streifen, stets ein neues Fotomotiv entdecken: zu andersartig ist diese Welt, wie eine aufgespaltene Zwiebel scheint das Land: Flusstäler, schichtenartige Terrassenlandschaften im durchsetzten hügeligen Vorgebirge. Dahinter zieht das Himalaya-Panorama die Blicke magisch auf sich. Dazwischen wie kleine Fixpunkte kleine Tempelchen: in Nepal leben in friedlicher Eintracht Buddhismus und vor allem Hinduismus nebeneinander. Während wir uns durch die grünen Terrassenlandschaften bergauf, bergab schlängeln, arbeiten die Nepali hart auf den Feldern: Der Acker wird von ein bis zwei eingespannten Ochsen gepflügt, jede Reispflanze von Hand gesetzt. Maschinen wird es hier noch lange nicht geben. Glück bedeutet hier, wenn die Ziege gesund und der Ochse stark ist.

Mittags wie abends ist es ein Erlebnis, zu sehen, in welch geselligem Miteinander die nepalesische Nationalspeise zubereitet wird: Dhal Bhaat aus gekochten Kartoffeln, Mangold, Blumenkohl, Linsensuppe in Beilagenschälchen, garniert mit verschiedenen Fleischsorten und viel Reis. Diese kohlenhydratreiche Kost verbrennen auch wir ganz ordentlich auf unseren Rädern. Die Beschaffenheit der Wege - oftmals steil bei losem Untergrund - fordert ihren Tribut. Zehn kleinere und größere Pässe überwinden wir im Laufe der Reise. Immer wieder hält der Weg spannende Überraschungen bereicht: eine staubige Lehmstraße, eine ruppige Steinpiste, ein verwinkelter Trail... Spuckt uns der Berg wieder aus in eine rauschende Flusslandschaft, die wir mit dem Bike überqueren dürfen? Auf einer jener wackeligen Draht-Hängebrücken, die über den grau-grünen Flüssen gespannt sind? Dann müssen wir unseren Begleit-Jeep wieder umlotsen, ein neues Treffen ausmachen.
Bange Fragen: Wo gibt es Strom, um unsere kostbaren Daten zu sichern? Funktioniert das Satellitentelefon auch morgen? Wo gibt es eine gute Unterkunft?

Nach drei Wochen im Lande steht fest: Bange, ungewisse Situationen und überflüssige Höhenmeter haben wir künftig nicht mehr zu meistern: Die Tour steht, alle Wege sind gefunden - neun Biketage sind es geworden, mit letztlich 360 Kilometern und gut über 9000 Höhenmetern. Wir freuen uns schon auf die zweite Auflage im November: Dann radeln wir zu 90 Prozent auf nicht-asphaltierten Pisten, viel Wald- und Bergwegen, und dazu natürlich auf vielen Surf-Singletrails. Unsere Schlepperei wird beendet sein - künftig gibt es die Annehmlichkeit eines permanenten Begleitfahrzeugs. Und wir genießen die volle Bandbreite auch an Übernachtungen vom Fünf-Sterne-Luxushotel bis zum abenteuerlichen, romantischen Zeltlager.

Markus Alexander Wössner 27.07.2007
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