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THEMEN | Urlaub & Reise

Reise im Heiligen Land: Drei Religionen und ein Fels
Israel ist gerade mal so groß wie Hessen, aber abwechslungsreich wie ein Kontinent
Vom Flughafen Tel Aviv aus ist man in ein paar Stunden am See Genezareth. Von hier fährt man an einem halben Tag nach Jerusalem - und dort kann man bei klarer Sicht tief unten in der Judäischen Wüste das Tote Meer sehen. In Israel gibt es einen Spruch, den man gerne Reisenden mit auf den Weg gibt: «Ach, Sie besuchen Israel - und was machen Sie morgen?». Es gibt vermutlich kein anderes Land auf der Welt, in dem man in einer Woche so viele Kontraste erleben kann, was Natur, Menschen und Religionen betrifft.
Der oben genannte Spruch hat sehr recht: Israel ist wirklich ein kleines Land. An der dünnsten Stelle kann man vom Mittelmeer aus an einem Tag locker zu Fuß an die Grenze des Westjordanlandes marschieren. Hier ist Israel gerade mal 15 Kilometer breit. Ein weiteres Sprichwort besagt: «In Jerusalem wird gebetet, in Haifa gearbeitet und in Tel Aviv wird gelebt.» Hügel des Frühlings bedeutet Tel Aviv. Offiziell zwar nur die zweitgrößte Stadt des Landes, ist der Großraum mit über drei Millionen Einwohnern dennoch das unbestrittene Zentrum des modernen Israel.
In Tel Aviv ist Israel europäisch. Es herrscht eine liberale und weltoffene Grundstimmung und es gibt ein pulsierendes Nachtleben. Mit einem schelmischen Grinsen und nicht ohne Stolz sagt der Busfahrer unserer Reisegruppe, dass es in Tel Aviv die schönsten Frauen der Welt gibt - als Tel Aviver muss er es wissen.
Nahe an der libanesischen Grenze liegt Akko, die ehemalige Kreuzfahrerstadt, in der heute vorwiegend Araber leben. Während des Libanon-Konflikts half ihnen ihre Volkszugehörigkeit nicht viel. Auch Akko war neben Haifa eines der Hauptangriffsziele der Hisbollah-Raketen. Noch im April deutete nichts auf die bevorstehende Eskalation der Gewalt hin. Gerade im idyllischen und grünen Norden rund um den See Genezareth hatte man das Gefühl, weit weg von Gaza und den anderen Brennpunkten der Region zu sein. Ein schon etwas älterer Kibbuznik in der Nähe von Magdala am See Genezareth, dem vermuteten Geburtsort von Maria Magdalena, zeigte uns während der Kibbuz-Führung nebenbei die Bunker für die Frauen und Kinder, meinte aber, dass sie noch nie benutzt worden seien. Nur wenige Wochen später wurden die Menschen auf beiden Seiten der israelisch-libanesischen Grenze eingeholt von der blutigen Realität des Nah-Ost-Konflikts. Auch rund um den See, über den Jesus gegangen sein soll und an dem er seine berühmte Bergpredigt gehalten hat, schlugen
Katjuscha-Raketen ein.
In den friedlicheren Zeiten verschwindet für den normalen Touristen diese Realität manchmal angesichts der Schönheit der Landschaft und der Vielfalt an antiken, biblischen und mittelalterlichen Sehenswürdigkeiten. Ganz plötzlich holt sie einen aber doch wieder ein, wenn man nach einem Bad im Galiläischen Meer ins Hotelzimmer kommt und im Fernsehen erfährt, dass sich in Tel Aviv ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt und mit ihm viele Unschuldige in den Tod gerissen hat. Gerade dort, wo man noch einen Tag zuvor war.
Die Heilige Stadt
In Jerusalem verdichten sich die Kontraste. Innerhalb der Mauern der heiligen Stadt pulsiert das Leben. Im arabischen Viertel ziehen Händler ihre Waren mit viel Lärm und Gestank durch die sowie so schon viel zu engen Gassen. Wenn dann auf der Via Dolorosa zufällig eine christliche Pilgergruppe mit Holzkreuzen unterwegs ist, ist das Verkehrschaos perfekt und es geht eine Zeit lang gar nichts mehr. Auch die stets etwas gehetzt wirkenden orthodoxen Juden, die zielstrebig in Richtung Klagemauer eilen, müssen sich in Geduld üben. In so einer Situation empfiehlt sich eine kurze Verschnaufpause in einem der vielen arabischen Cafés, wo man eine Falafel, einen türkischen Mokka und eine Wasserpfeife genießen kann. Unser israelischer Reiseführer wird von den palästinensischen Kellnern wie ein alter Freund empfangen. «Ich kenne sie schon lange und sie sind immer freundlich zu mir. Dennoch weiß ich ganz genau, was sie gewählt haben», sagt er und meint damit die radikalislamische Hamas.


