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Dr. Erna Schnäppchen
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Schock vorm Spiegel


Ich stehe unter Schock! Zwei Tage ohne Fußball haben mich vergangene Woche in eines tiefes Loch fallen lassen. Um einer bedrohlich bleiernen Lethargie vorzubeugen, widmete ich mich der einzig glücklich machenden Beschäftigung: Einkaufen.

Nur schade, dass die Rechnung nicht aufging. Im Gegenteil - ich kam nervlich völlig zerrüttet nach Hause. Dazu noch mit leeren Händen, quasi mit einer Shopping-Ausbeute gleich null.Was war passiert? Ich hatte in den Spiegel des Grauens geblickt. Vollkommen unbedarft und spontan wollte ich «nur mal eben so» nach Bikinis Ausschau halten. Wie naiv von mir.

Hatte ich etwa die traumatisierenden Bikini-Anprobier-Erlebnisse vergangener Jahre verdrängt? Anscheinend, doch nun sind die Eindrücke wieder taufrisch und mir ist eins klar geworden: Wer auch immer diese Umkleidekabinen in Kaufhäusern ausgestattet hat, ist von Beruf Sadist. Dieses Licht, diese Enge und vor allem - dieser Spiegel.

In der Summe fatal für die weibliche Psyche, gleicht doch grelles Neonlicht von oben einem optischen Attentat. Beim besten Willen kann ich mich nicht erinnern, jemals so sch… ausgesehen zu haben.

Habt ihr schon mal ein kalkweißes Etwas mit WM-Speckzonen gesehen? Ich schon. Es war grauenhaft und so musste ich fluchtartig den Laden verlassen, ohne auch nur einen Bikini anprobiert zu haben.

Bei einem solchen Spiegelbild kann auch der raffinierteste Zweiteiler nichts mehr ausrichten.

Nachdem ich mich nun nervlich wieder halbwegs gefasst habe, frage ich mich, ob man diese Bikinis überhaupt verkaufen will. Ich hab mich umgehört: Sämtliche Freundinnen kennen das Spiegel-Phänomen.Das ist doch hochgradig geschäftsblind! Offensichtlich wollen alle Einzelhändlerinnen die Bademode lieber für sich behalten, vermutet nun irritiert

Dr. Erna Schnäppchen 02.07.2006
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