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NACHRICHTEN | Lokales | Traunstein

Takeo Ishi, der Berufsjodler aus Japan
Maschinenbauingenieur sollte er werden. Den väterlichen Betrieb übernehmen, daheim in Tokio. Aber dann entdeckte der jugendliche Takeo früh eine für japanische Begriffe exotische Leidenschaft: das Jodeln. Im Chor der Knabenschule hörte er das erste Mal Jemanden live Jodeln, war fasziniert, lieh sich eine Schallplatte, übte. «Am Anfang hörte es sich an wie Hundegejaule oder Froschquaken», sagt Takeo Ischi. Er ließ extra den Staubsauger laufen, damit ihn niemand hörte. Das war vor etwa 40 Jahren. Statt in Tokio lebt Takeo Ischi heute in Reit im Winkl. Er ist ein Exot in doppelter Hinsicht: Nur wenige Berufsjodler gibt es heute noch - und dann noch ein Japaner. Aber alleine mit dem exotisch sein, sagt er, kann man sich nicht 30 Jahre auf der Bühne halten.
Irgendwie putzig, wenn nicht sogar albern stellt man sich einen asiatischen Jodler in Lederhosen und Trachtenjanker vor. Und dann sitzt einem Takeo Ischi gegenüber: offen, humorvoll, nett, nachdenklich. In Jeans und Hemd. Im Garten seines Doppelhauses steht eine mit Kuhglocken geschmückte Hütte. Nächstes Jahr will er ein Teehaus bauen und einen japanischen Teich anlegen lassen. Ein japanischer Bayer oder ein bayerischer Japaner? Er liebt den deftigen Schweinsbraten seiner österreichischen Henriette, die vier Söhne haben deutsche Namen und schon als Kind aß er lieber mit Messer und Gabel als mit Stäbchen.
Mit 18 war er glücklich, als er den Club «Alpenjodelkameraden» in Tokio ausfindig machte. Hat Akkordeonspielen gelernt, kaufte sich mit einem Freund ein Alphorn. 1973 reiste er zuerst nach Deutschland, dann in die Schweiz. In Zürich ging er in Bierlaune in einem Festzelt auf die Kapelle zu, jodelte spontan das «Kufsteinlied». Auch in einer Altstadtkneipe sang er, dem Wirt blieb der Mund offen stehen, er engagierte ihn erst für ein paar Wochen, stellte ihn später fest ein. 1980 kam die erste Schallplatte heraus, Maria Hellwig lud ihn in ihre Sendung «Früh übt sich» ein. Sie war es auch, die ihn noch im selben Jahr nach Reit im Winkl brachte: Als Jodler in ihrem Lokal «Kuhstall».
In der Volksmusikszene kennt man den japanischen Jodler, und so allmählich wird er auch bei der Jugend Kult: Stefan Raab lud ihn zu «TV total» ein und in Diskos und Skihütten laufen seine Dance-Versionen vom «Bibi-Hendl», bei denen er jodelt, gackert und mit seiner Mimik ein Huhn nachahmt - bis heute ist das Lied sein Markenzeichen. Die jüngste CD «Import-Hit aus Japan» mixt den Jodler mit Pop und Rap. Er will den Spagat schaffen - zwischen coolen Teenagern und Volksmusikfreunden, zwischen Japan und Bayern.
