Onlineausgabe der INNdependent Media GmbH

NACHRICHTEN | Lokales | Traunstein

Aus der Übung wurde Ernst: Als die Ärzte 2006 während des Streiks schon mal eine Typisierungsaktion durchführten, konnten sie noch nicht ahnen, dass einer ihrer Kollegen wenige Monate später an Leukämie erkranken würde.
Foto:Klinikum Traunstein

Seiten  1  |  2   weiter >>

Diagnose Leukämie

Bei Typisierungsaktion am 19. Mai müssen Freiwillige nicht mehr geben als ein paar Tropfen Blut


Traunstein - «Papa hat Leukämie» haben die Ärzte des Klinikums Traunstein ihren Hilfeaufruf überschrieben. Und Hilfe muss schnell kommen: Einer ihrer Kollegen leidet seit März unter Blutkrebs. Retten kann den Vater von drei kleinen Kindern nur eine Stammzellen-Transplantation. Seine Kollegen können nur eines für ihn tun: Nach einem passenden Spender suchen. Dazu führen sie am Samstag, 19. Mai, von 11 bis 16 Uhr im Untergeschoss des Klinikums eine Typisierungsaktion durch. In der Hoffnung, dass viele Menschen kommen.

Müde war er, energielos, blass. Aber das kommt bei den langen Schichten als Arzt im Krankenhaus schon mal vor. «Ich bin nur erschöpft», glaubte er, machte sich weiter keine Gedanken. Erst als er auch beim Sport keine Ausdauer mehr hatte, kamen die Sorgen. Er ließ von einem Kollegen sein Blut untersuchen. «Das Gute war, dass bei dem Kollegen sehr schnell mit der Chemotherapie begonnen wurde, denn das ist lebenserhaltend», sagt Dr. Kirstin Bär, Ärztin am Klinikum Traunstein, die die Typisierungsaktion mitorganisiert.

«Akute myeloische Leukämie», so die Diagnose. «Akut» bedeutet, ohne Behandlung stirbt der Patient in wenigen Wochen oder Monaten. Chronische Leukämiearten dagegen verlaufen über mehrere Jahre. Bei einer Leukämie werden vermehrt weiße funktionsunfähige Blutkörperchen gebildet, diese Leukämiezellen breiten sich im Knochenmark aus, es kommt zu einem Mangel an allen funktionierenden Blutkörperchen. Die Ursachen für Leukämien sind noch nicht vollständig verstanden. «Das kann wirklich jeden treffen - in jedem Alter und in unterschiedlichen Formen», so Dr. Thomas Kubin, Chefarzt der Hämatologie-Onkologie am Klinikum Traunstein. Der erkrankte Kollege war bis dato ein völlig gesunder Mann. Er stammt aus dem Kreis Traunstein, ist verheiratet und Vater von drei kleinen Kindern. Mit seinem Namen will er nicht in die Zeitung, er versucht, seinen Kindern einen unbeschwerten Alltag zu ermöglichen. Momentan ist er daheim bei der Familie, darf das Krankenhaus in einer Pause zwischen den Phasen der Chemotherapie verlassen. Schmerzen hat er nicht, aber er fühlt sich müde und kurzatmig durch den Blutmangel, ist anfällig für Infektionen.

Seiten  1  |  2   weiter >>
Katrin Detzel 15.05.2007
Anzeige