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THEMEN | Sport & Freizeit

Martin Fiala
Foto:Rapp

„Dankbar für jede Minute“


Martin Fiala will bei Olympia in Vancouver dabei sein. Mit Anfang 40, nach einer beruflichen Neuorientierung und einem schweren Verkehrsunfall. Unsere Redaktion traf den Sportler in Oberaudorf bei seinem Ausrüster Salomon.

Redaktion: Sie waren früher Weltcup-Abfahrer. Wie sind Sie zum Skicross gekommen?
Fiala: Auf Umwegen. Ich war nach dem Ende meiner Weltcupkarriere 1995 insgesamt rund acht Jahre in den USA bei Profirennen unterwegs. Dort hat sich die Disziplin Skicross entwickelt.
Redaktion: Skicross ist jetzt in Vancouver das erste Mal olympisch. Sie wollen mit Anfang 40 als aktiver Athlet dabei sein. Warum? Die Erfüllung eines Lebenstraums?
Fiala: Lebenstraum ist vielleicht zu hoch gegriffen, aber es ist schon ein Traum von mir, einmal bei Olympia dabei zu sein und dort auch ein Wort mitzureden. Die Entscheidung, es ernsthaft zu versuchen, habe ich jedoch erst so im September getroffen, als ich nach 16 Wochen hartem Konditraining gemerkt habe, dass ich noch Leistungssport betreiben kann.
Redaktion: Spielte Ihr Unfall auch eine Rolle?
Fiala: Nach meinem schweren Autounfall im Sommer 2008 spürte ich drei Monate meine Hände nicht mehr. Ich suchte nach einer neuen Motivation, um in der Reha am Ball zu bleiben. Ich nahm mir vor, bei einem Skicross-Europacup am Sudelfeld zu starten. Nachdem ich dort für mich völlig überraschend Fünfter wurde, entschied ich, ein weiteres Europacup Rennen in Bormio zu fahren. Dort wurde ich dann Zweiter. Eine gute Ausgangsposition. Ich wusste aber, dass ich körperlich noch viel zulegen musste, um auch vorne in der Weltspitze eine Chance haben zu können.
Redaktion: Gab es noch andere Gründe?
Fiala: Ein weiterer Grund war, dass ich in den letzten zehn Jahren hart gearbeitet habe. Ich habe eine eigene Firma aufgebaut und 2008 erfolgreich verkauft. Damit ging für mich ein Abschnitt zu Ende. Ich schätze mich sehr glücklich, mir den Luxus in jeglicher Beziehung leisten und das Abenteuer Olympia leben zu können. Ich genieße jeden Augenblick.
Redaktion: Wie sehen Ihre Chancen aus, in Vancouver wirklich dabei zu sein?
Fiala: Wenn ich tiefstapeln möchte, sage ich: "Ich gehe auf die 42 zu, komme von einer schweren Verletzung und habe in den Jahren 2004 bis 2008 keine Wettkämpfe gehabt.“ Die Chancen sind also bescheiden.
Redaktion: Was haben Sie den jungen Fahrern voraus?
Fiala: Ich habe sehr viel Erfahrung, bin fit wie kaum zuvor und richtig geil aufs Skifahren.
Redaktion: Mit Anfang 40 in der Nationalmannschaft. Das finden bestimmt nicht alle gut. Sie nehmen ja sicher auch einem jüngeren Fahrer den Startplatz weg. Gab oder gibt es Ressentiments?
Fiala: Ich erlebe alle Reaktionen. Die Positiven motivieren mich, die Negativen habe ich irgendwie ziemlich schnell vergessen.
Redaktion: Sie stehen mitten im Leben. Beruf und Leistungssport - wie klappt das?
Fiala: Es klappt sehr gut. Ich bin sehr glücklich als Berater für die Firma Salomon tätig.
Redaktion: Finanzieren Sie sich das Abenteuer Olympia selbst?
Fiala: Die Athleten im DSV-Team zahlen alles selbst. Lediglich die Trainer und die Bekleidung kommen vom DSV. Ich habe aber mit Salomon nicht nur einen flexiblen und passenden Arbeitgeber gefunden, sondern auch einen topp Partner und Ausrüster.
Redaktion: Wie haben Sie sich fit gemacht für diese große Herausforderung?
Fiala: Ich war mehrere Monate in Teneriffa und habe da voll trainiert. So zwei bis drei Einheiten am Tag. Das tat am Anfang richtig weh. Neben Basistraining von Kraft und Ausdauer habe ich viele Einheiten mit Windsurfen, Wellenreiten und Klettern verbracht.
Redaktion: Sie haben sich jetzt zum Start in den Schnee sogar extra die Augen lasern lassen.
Fiala: Ja, das ist richtig gut geworden. Es ist eine neue Lebensqualität und sicherlich auch ein wichtiger Baustein für den kommenden Winter. Guter Durchblick sollte nicht schaden.
Redaktion: Skirennsport, dazu leidenschaftlicher Tourengeher, im Sommer Surfen, Klettern, Bouldern, Mountainbiken… Sport scheint schon immer in Ihrem Leben eine ganz große Rolle zu spielen.
Fiala: Ich bin in den Bergen aufgewachsen und habe viele Jahre als Leistungssportler in der Natur verbracht. Diese enorme Lebensqualität habe ich in den zehn Jahren als Geschäftsführer meiner eigenen Firma sehr vermisst. Ich hatte nicht die Zeit, war für knapp 30 Mitarbeiter verantwortlich. Umso mehr genieße ich jetzt jede Sekunde in der Natur.
Redaktion: Die Berge faszinieren Sie besonders, oder?
Fiala: Ja absolut. Ich tanke da auf und finde immer wieder mein Gleichgewicht.

Petra Rapp 16.12.2009
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