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THEMEN | Sport & Freizeit

Schweißtreibender Fitness-Test
Bad Reichenhall - Warum fällt es mir so schwer, die Laufschuhe aus der hintersten Verbannung im Schuhschrank zu holen und sie endlich ihrer wahren Bestimmung zuzuführen? Jede Ausrede, den Abend lieber gemütlich (und faul) vor dem Fernseher zu verbringen, ist willkommen. Das physikalische Gesetz der Trägheit nennen Experten dieses Phänomen. Doch ich habe mir fest vorgenommen, den inneren Schweinehund zu besiegen und versuche es zum Einstieg mit einer Leistungsdiagnostik, die hilft auch Otto-Normal-Sportlern, ihre Ziele zu erreichen.
Ein bisschen mulmig ist mir ja schon, als ich mich auf den Weg mache. Leistungsdiagnostik hört sich so nach Leistungssport an. Hoffentlich blamiere ich mich da mal nicht. Doch Holger Schönthier kann mich sofort beruhigen. Der Sportheilpraktiker und Trainingsexperte war bis 2003 selbst aktiver Berufssportler im Biathlon - unter anderem zweimaliger Europameister - und hat sich jetzt in Bad Reichenhall auf Leistungsdiagnostik spezialisiert. «Zunächst geht es darum, den momentanen Leistungsstand zu ermitteln. Aufgrund der so erhaltenen Puls- und Laktatwerte kann ich dann ein optimales und individuelles Trainingskonzept vorschlagen», so der Experte. Die meisten Anfänger, sagt er, machen nämlich den Fehler und trainieren viel zu intensiv.
Kneifen geht jetzt sowieso nicht mehr, also wage ich mich auf das extra lange und extra breite Laufband und lasse mir den unverzichtbaren Sicherheitsbügel anschnallen. Sollte ich - aus welchen Gründen auch immer - nicht mehr weiter laufen, rettet er mich davor, nach hinten geschleudert zu werden. Dann setzt sich das Band in Bewegung; erst mal langsam zum Warmwerden. Während ich so vor mich hintrabe erklärt mir Holger, dass die richtige Trainingsbelastung für alle Sporttreibenden eine Grundvoraussetzung ist, um die persönlichen Ziele zu erreichen. Diese Ziele können ganz unterschiedlich sein: der eine will abnehmen, der andere muss ärztlich verordnet abnehmen, einige suchen den optimalen Einstieg in den Sport, andere sind schon jahrelang dabei und wollen sich verbessern.
Um meine Laktatwerte, also die Veränderung des Milchsäure-Spiegels in meinem Blut, bestimmen zu können, nimmt mir Holger am Ende der Belastungseinheit ein paar Tropfen Blut am Ohr ab - tapfer sein Kathrin! Anschließend muss ich im Drei-Minuten-Rhythmus mit gesteigertem Tempo laufen. Zwischen den immer schnelleren Einheiten werden immer wieder kleine Blutproben genommen, um die Veränderung des Wertes festzustellen. Ein Pulsmesser zeigt meine Herzfrequenz an. Sechs Stundenkilometer, acht Stundenkilometer, zehn Stundenkilometer - geht noch, aber zwölf Sachen sind dann doch schon verdammt schnell. So fühlt es sich also an, wenn Sekunden zur Ewigkeit werden. Stopp! Ich kann nicht mehr!
Ich springe - so wie für den Notfall vorher geübt - seitlich vom Band und kapituliere. Bei der Auswertung der Daten stellt sich heraus, dass meine Grundlagen gar nicht so schlecht und durchaus ausbaufähig sind. Mittels einer speziellen Software wird mir anhand von Graphiken und Kurven meine körperliche Fitness erläutert und eine «Anleitung» für die Zukunft gegeben. Wenn ich in der für mich optimalen Pulsfrequenz laufe und meine Grundgeschwindigkeit schrittweise erhöhe, stehen die Chancen gut, einen richtigen Läufer aus mir zu machen.
