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"Volk muss aufstehen"
Im Festzelt Eggstätt machte Edmund Stoiber vergangene Woche Wahlkampf für die CSU. Dabei gab er sich so kämpferisch, als ob er selbst nochmal Kanzler werden wolle.
Eggstätt. Der langjährige Minis-terpräsident und CSU-Parteichef, der seine Ämter vor knapp zwei Jahren niedergelegt hatte, kam anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der Altschützen und des 100. Geburtstages des Burschenvereins nach Eggstätt. In seiner emotionalen Rede im voll besetzten Festzelt gab es kaum ein Themengebiet, das er nicht streifte.
Stoiber warnte vor einem zunehmenden Werteverfall und einer zu starken Stimmungsmache gegen die Politik. „Wenn heute einer gegen Politiker pöbelt, hat er schnell den Beifall auf seiner Seite. Es ist symptomatisch für unser Land, dass in vielen Medien über den Comedy-Kanzlerkandidaten Horst Schlämmer zuletzt fast doppelt soviel berichtet wurde wie über den Kanzlerkandidaten der SPD.” Gerade in der „schwersten Weltwirtschaftskrise seit 1929” gelte es, sich wieder auf das wirklich Wesentliche zu besinnen. „Haben wir überhaupt noch Werte - oder nur noch Egoismus”, fragte der ehemalige Landesvater und geiselte die „Unmäßigkeit und ungeheure Gier, die mitursächlich für die Finanzkrise war”.
Unternehmerische Fehlleistungen dürften „nicht mit Steuergeldern zugedeckt” werden. Stattdessen müssten „echte Leistungsträger” entlastet werden. „Wir nehmen denen zuviel weg”, sagte Stoiber und warb für Steuersenkungen, „um für mehr Wachstum und Dynamik zu sorgen”. Vehement kritisierte der Altministerpräsident, „dass die Arbeit der Bauern nicht mehr belohnt wird”. „Wir dürfen auf Dauer bei den Lebensmitteln nicht genauso abhängig werden wie beim Öl und beim Gas, daher brauchen wir eine intakte Landwirtschaft. Das Volk muss für die Bauern aufstehen, damit wir gemeinsam die bayerische Kulturlandschaft verteidigen.”
Als „Beleidigung” wertete Stoiber, dass SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier in seinem Schattenkabinett niemanden aus Bayern und Baden-Württemberg berücksichtigt habe. Dabei komme „das Heil für Deutschland immer aus dem Süden” und allein Bayern zahle jährlich vier Milliarden Euro für den Länderfinanzausgleich.
Trotz der guten Umfragewerte warnte er die Union vor verfrühter Siegessicherheit. „Ich bin da ein gebranntes Kind”, sagte er in Anspielung auf den Bundestagswahlkampf 2002, den er im Schlussspurt damals knapp gegen Gerhard Schröder verlor.
