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THEMEN | Medizin & Gesundheit

Zappelphilipp & Co.
Zappelphilipp, Trotzkopf, Träumer - immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter Aufmerksamkeitsstörungen. Was ihnen hilft, das erklärte ein Experte in Traunstein.
TRAUNSTEIN. „Das Wichtigste vorneweg: Aufmerksamkeitsstörungen oder Hyperaktivität sind keine Zeiterscheinung, sie sind kein Auswurf unserer gesellschaftlichen Veränderung”, stellte Psychologe und Sozialpädagoge Dr. Norbert Beck aus Würzburg vergangene Woche gleich zu Beginn seines Vortrags im Rathaus Traunstein fest. Seine Aussage belegte er mit der 1846 erstmals veröffentlichten Geschichte vom Zappelphilipp. „Das ist die erste Beschreibung eines hyperaktiven Kinds - von der motorischen Unruhe bis zur Ratlosigkeit der Eltern”, so Beck.
Aufmerksamkeitsstörungen wie ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom) und ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-/Hyperaktivitäts-Syndrom) seien kein Ausdruck pädagogischen Scheiterns, erläuterte der Psychologe. „Und die betroffenen Kinder sind auch nicht böse, dumm oder faul”, so Beck. Experten nähmen an, dass die Krankheit unter anderem genetisch bedingt ist.
Fakt ist, dass verhältnismäßig viele Kinder betroffen sind. „Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts haben unter anderem ergeben, dass fünf Prozent aller Grundschulkinder an Aufmerksamkeitsstörungen leiden”, so Beck. Selbst im Jugend- und Erwachsenenalter hinterlässt die Krankheit ihre Spuren: „Die Betroffenen brechen häufiger ihre Ausbildung ab, haben ein höheres Unfallrisiko und sind anfälliger für Alkohol und Drogen.”
Die Symptome zeigen sich in der Regel früh: „Die Kinder reagieren meist wie ein sehr übermüdetes Kind”, erklärte der Fachmann. Sie hätten Schwierigkeiten sich zu konzentrieren und strukturieren. „Diese Kinder fangen von hinten an, wenn sie etwas zu erledigen haben. Wenn sie beim Kuchenbacken helfen, dann schalten sie als erstes den Ofen ein.” Dazu kämen Unordentlichkeit, Vergesslichkeit, Impulsivität, Stimmungsschwankungen und ein niedriges Selbstwertgefühl. Das Problem Nummer eins, so Beck, seien die Hausaufgaben. „Die Schulzeit ist für diese Kinder oft die Hölle.” Einige liefen sogar Gefahr, ganz aus dem schulischen Rahmen zu fallen.
